No. 19: Horst, Braukollektiv KG – Freiburg

Zu Beginn des Jahres 2018 stelle ich mein aktuelles Lieblingsbier vor: “Horst”. “Horst” ist ein Brown Ale, genauer genommen ein California Brown Ale vom Braukollektiv aus Freiburg. Nach dem Zapotopaz vom Emma-Biere ohne Bart folgt nun ein weiteres, klasse Craftbier aus Freiburg. Glücklicherweise hat der Bierhändler meines Vertrauens einen Draht nach Freiburg. Die Biere vom Braukollektiv gehören zum Standardsortiment beim Brewcomer

Die Braumeister

Wer oder was ist das Braukollektiv KG aus Freiburg? Hinter dem Braukollektiv stecken vier Bierverrückte, die ursprünglich alle ganz andere und unterschiedliche Dinge im Sinn hatten. Die Begeisterung für handwerklich hergestelltes Bier und die Abneigung gegenüber den langweiligen Fernsehbieren hat die Vier 2013 zusammengeführt. Nachdem zunächst jeder für sich als Heimbrauer ein wenig herumexperiementiert hat, floss im Juni 2014 der erste Sud aus den Zapfhähnen in Freiburgs Kneipen. Mittlerweile ist das Braukollektiv fester Bestandteil der deutschen Kreativbier-Szene. Als Kuckucksbrauerei brauen die Vier ihre Biere bei der Familienbrauerei Rogg in Lenzkirch im Schwarzwald. Zum Standardsortiment zählen neben dem “Horst” folgende Biere: “Dolly” (IPA), “Ziggy” (Pale Ale), “Moe” (Summer Ale) und “Jaques” (West Coast IPA). Zusätzlich gibt es mit den Bieren der Xperimental Xeries weitere spannende und einmalige Kreationen. Das Barrel Aged Saison aus dieser Serie habe ich bereits bei einem Tasting vorgestellt.

Das Bier

“Horst” ist ein Brown Ale. Mein erstes und lange Zeit einziges Brown Ale, das ich getrunken habe, war das Newcastle Brown Ale. Irgendwie scheint es mir, das das Brown Ale so etwas aus der Mode gekommen ist. Ich frage mich warum.

Ein Brown Ale ist ein alter englischer Bierstil. Es ist ein obergäriges und malzbetontes Bier, das mit seiner braunen oder bernsteinartigen Farbe heller als ein Porter ist und deutlich weniger Röstaromen aufweist. Dagegen spielen süßliche und karamellige Aromen eine größere Rolle. Je nach Bier gibt es etwas mehr oder weniger Hopfenaromen. Mal sehen wie es bei dem “Horst” so ist.

Das Etikett gibt einen ersten Vorgeschmack (Anmerkung: Die Etiketten an sich sind schon recht stylisch und eine Augenweide):

“Helles Malz, dunkles Caramel und Chocolate Malt kombiniert mit einer fetten Brise West Coast Hopfen. The Horst Abides. Grrrroarrrr”

Mal so vorab, dieses Brown Ale ist mit 40 IBU recht hopfenbetont. Eine ordentliche Schippe Cascade-Hopfen hat “Horst” im Whirlpoolverfahren bekommen. Zum Abschluss wurde es mit dem Centennial gestopft. Also quasi doppeltgehopft. Die Hopfen machen sich schon beim Geruch bemerkbar. Fruchtige und harzige bis erdige Aromen kommen zum Vorschein. Beim ersten Schluck schmecke ich dann zunächst diesen kräftigen Malzkörper aus Caramel- und Chocolate-Malzen: süß und ausgewogen sanft. Doch es bleibt nicht bei diesem für ein Brown Ale typischem Aromen. Es folgen schnell die fruchtigen, leicht blumigen und auch erdigen Hopfenaromen mit einer anständigen Bittere im Abgang. Das ist ein heißer Ritt durch die Geschmackslandschaft. Aber alles gut ausbalanciert und harmonisch.

Das “Horst” hat 2016 bei den Meininger Craft Beer Awards die Goldmedaille erhalten. Unter ratebeer.com rangiert Horst bei den Brown Ales unter den TOP 50. Und die Hopfenhelden-Bloggerin Nina Klotz hat in ihrem Craftbier-Guide “Die besten Biere, die man probiert haben muss” das “Horst” als einziges Brown Ale aufgeführt. Diese Referenzen sprechen für sich. Also ran an den “Horst”!

Fazit

Gelungene Interpretation dieses alten englischen Bierstils. Ein hopfenbetontes und hammergeiles Brown Ale mit amerikanischen Westcoast-Hopfen. Wow, unbedingt ausprobieren!

Die Eckdaten

Bierstil: California Brown Ale
Hopfen: Cascade, Centennial
Bittereinheiten: 40 IBU
Alkoholgehalt: 6,2 % Vol

Die Höker

In Freiburg gibt es Horst vermutlich an “jeder Ecke”. Hier im Norden habe ich es bislang nur bei

gefunden.

 

Zu Besuch bei der Czernys Küstenbrauerei

Bier in Kiel

Es tut sich was in der Brauereilandschaft in Kiel: die Czernys Küstenbrauerei hat die Braukessel angeschmissen.

Nachdem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und dann spätestens mit der Schließung der Holsten-Brauerei an der Holtenauer Straße im Jahr 1994 die Brauereien aus dem Stadtbild verschwunden sind und nur die Kieler Klosterbrauerei übrig geblieben ist, verändert sich das Bild seit einigen Jahren nach und nach. Nachdem sich die Jungs von Lille bereits seit 2015 einen Namen im Kieler und norddeutschen Raum gemacht haben (leider noch ohne eigene Brauerei in Kiel – das Projekt zur Eröffnung der eigenen Brauerei in 2018 ist gestartet), ist im Herbst 2017 die Czernys Küstenbrauerei in die Festung Friedrichsort eingezogen.

Czernys und die Festung Friedrichsort

Ich hatte neulich die Gelegenheit, einmal bei Jan Czerny vorbeizuschauen und bin in den Genuss einer kleinen Brauereiführung gekommen. Jan Czerny und seine Frau Jasmin sind zum Studium der Meeresbiologie nach Kiel gekommen, haben dieses erfolgreich abgeschlossen, fühlen sich hier wohl und sind über das Whisky brennen zum Bier gekommen. 

Zunächst einmal ist die Wahl der Location für eine Brauerei eine klasse Idee. Bei der Festung Friedrichsort handelt es sich um eine ehemalige Festungsanlage, die bereits im 17. Jahrhundert errichtet wurde, und im Laufe der Zeit um- und ausgebaut sowie unterschiedliche Nutzungen hatte. Bis Mitte der 1990er Jahre wurde die Anlage von der Bundeswehr genutzt. Seitdem gibt es verschiedene Ideen, die Festung der Öffentlichkeit u.a. durch touristische Konzepte zugänglich zu machen. Nun ist hier u.a. die Czernys Küstenbrauerei eingezogen – attraktiv am Falckensteiner Strand gelegen, dennoch aber abgeschieden und nicht ohne weiteres zugänglich. Jan und Jasmin konnten die Errichtung mit einer erfolgreich angelegten Crowdfunding-Kampagne realisieren. 

Nun stehe ich also an einem trüber Herbsttag vor dem Tor und melde mich telefonisch an. Nach wenigen Minuten kommt Jan auf seinem Tretroller zum Tor und lässt mich rein. Das Gelände sieht ein wenig trostlos aus, im Inneren des Gebäudes weht aufgrund von alten Schwarz-weiß-Fotografien noch ein wenig der Hauch der vergangenen Jahre der militärischen Nutzung.

Die Brauerei

Als Laie bin ich dann erstmal beeindruckt und sprachlos – Läuterbottich, Braukessel, Gärtanks und jede Menge Behältnisse, Flaschen und sonstige Gegenstände, die mich an die Schulzeit und Bio- und Chemiestunden erinnern. Bei den einzelnen Brauschritten, die mir Jan erläutert und mich auch einen Blick in den Gärtank werfen lässt, kann ich wenig mitreden. Beim Probieren seines Brown Ale, frisch aus dem Kühltank, fangen wir dann erstes Fachsimpeln an. Schöne, dunkelbraune Farbe, kräftiger Malzkörper, der dem Bier eine feine Süße verleiht und dazu eine Ladung Aromahopfen fürs Fruchtige. Danach probieren wir noch ein fast fertiges Pils – das hat schon eine ordentliche Basis. Die Czernys setzen mit dem sogenannten Dekoktionsmaischverfahren auf ein aufwendiges, älteres und kaum noch angewandtes Maischverfahren, bei dem Teile der Maische in mehreren Stufen gekocht und dann wieder der Restmaische zugegeben wird. Was bringt das Verfahren? Es ist aufwendiger, soll sich aber auf den Geschmack positiv auswirken. Da ist was dran.

5 1/2 Knoten

Neben den beiden Sorten Pils und Brown Ale, die ich vor Ort gekostet habe, werden noch ein Märzen, ein Porter und ein Pale Ale gebraut und unter dem Namen “5 1/2 Knoten” vertrieben. Verwendet werden regionale und ökologisch erzeugte Rohstoffe, wie etwa die Kieler Küstengerste. Einen Fokus will man auf den Vertrieb von Fässern legen, für Veranstaltungen etc. Aber ab Dezember gibt es das neue Kieler Bio-Bier der Czernys Küstenbrauerei auch in der 12er Holzkiste bis an Deine Haustür geliefert. Es wird Zeit, dass ich meine Bestellung aufgebe.

No. 14: Quadrupel, Smedsbo Slott – Schweden

Smedsbo Slott hat auf den diesjährigen Kieler Craftbeer Days den Publikumspreis abgeräumt. Ich hatte mir an dem Abend – ohne zu wissen, dass Jungs aus Schweden hier die Bühne rocken werden – zum Abschluss ein Quadrupel mitgenommen, welches ich hier nun mal vorstelle. Ok, eine gewisse Vorahnung war aufgrund des großen Andranges an dem Stand schon dar. Und die beiden älteren Herren waren an sich auch schon beeindruckend. Der Kopf der Bande, Pär Windhal, im Anzug, mit Weste und Monokel, verriet mir gleich, dass “wir beide hier heute Abend unser Bier erstmals der Öffentlichkeit vorstellen”. Gebraut wurde irgendwo nördlich von Schweden im Wald. Das klingt nach einem echten Craftbier-Abenteuer.

Smedsbo Slott schwimmt zudem nicht auf der Hopfenwelle, sondern hat ein Faible für belgische Biere, dem Triple und Quadrupel. Also komplexe und schwere, obergärige Biere mit einem hohen Alkoholgehalt und einem kräftigen Malzkörper.

Eine Augenweide ist schon die Flasche mit der Bezeichnung Quadrupel X 2017-02 auf dem handgeschriebenen Etikett. Ganz hobbybrauermäßig. Nach dem Eingießen muss ich erstmal mit dem ganzen Schaum klar kommen, nutze aber die Zeit, um das Bier im Glas zu betrachten und daran zu riechen. Ein bernsteinfarbenes, sehr klares Bier mit einem süßlichen Geruch. Spannend ist der erste Schluck: recht feinperlig, im Antrunk fruchtige Aromen die an Dörrobst erinnern, gefolgt von einer ganz leichten Bittere und der karamellartigen Süße. Der hohe Alkloholgehalt lässt sich erahnen und wird von den unterschiedlichen Aromen gut überlagert. Mir gefällt die Kombination aus malzbetonter Süße und den fruchtigen Aromen. Es ist jedoch weißgott kein leichtes Bier, dieses Quadrupel mit dem kräftigen und cremigen Körper. Also eher etwas für den norddeutschen Schmuddelwinter. 

Fazit:

Die Herausforderung bei einem Quadrupel ist, den hohen Alkoholgehalt von um die 10% Vol. so zu verpacken, dass das ganze nicht zu spritig schmeckt. Das ist hier gut gelungen. Harmonisch in den starken Malzkörper und die kräftigen Geschmacksnoten eingebettet.

Pär, bitte mehr belgische Biere aus Schweden!

Den neuesten Quadrupel-Sud gibt es nun auch bei Brewomer in Kiel in der handlichen 0,75 Liter Flasche zu erwerben. Am 02.10. hat Pär dort sein neues Quadrupel vorgestellt. Dieses Quadrupel ist ein Gemeinschaftprodukt von Smedsbo Slott und Klapperbräu aus Bergenhusen in Schleswig-Holstein.

Ein Rückblick auf mein Tasting No. 9

Vor kurzem hatte ich Gäste zu meinem neunten Tasting zu Besuch. Seit dem letzten Tasting habe ich wieder einige Biere zusammengesucht. Darunter Klassiker, Urlaubsentdeckungen, leichte Sommerbiere und Empfehlungen von meinem Händler des Vertrauens (Brewcomer). Die Gäste waren sowohl Industriebierenthuisiasten, Biertrinker mit eigener Brauerfahrung und Neueinsteiger in die Welt der Craft-Biere.

Es war ein unterhaltsamer Abend mit einigen Überraschungen. Aber lest selber meine kurze Zusammenfassung:

1. Rasenmäher, Lager; Ratsherrn, Hamburg
Leichtes, kaltgehopftes Lager. Ideal für den Beginn eines Tasting oder eben zum Rasenmähen. Nicht so meins, die Gäste waren recht angetan und wollten gleich in den Garten 😉

2. Prototyp, Lager; Kehrwieder Kreativbrauerei, Hamburg
Ein Klassiker unter den Craftbieren. Zeitlos. Ein kaltgehopftes Lager, das erste seiner Art. Hat zahlreiche Preise abgeräumt, meine Gäste allerdings nicht so abgeholt, wie erwartet.

3. Goldsprint, Spezialbier; Turbinenbräu, Zürich
Ein für die Schweiz typisches untergäriges Spezialbier, mit kräftiger Bittere im Abgang. Gebraut von Turinenbräu in Zürich. Die sind seit 1997 am Werk, also lange vor der Craftbier-Welle.

4. Brügge, belgisches Saison; Buddelship, Hamburg
Schon wieder Hamburg. Das Brügge ist ein belgisches Saison, passend zum Spätsommer. Schön frisch und hefe- und hopfen-aromatisch. Kam gut an. Platz 2.

5. Chopfab Summer, White Ale; Doppelleu, Winterthur
Und noch eine Entdeckung aus der Schweiz. Passt in der Abfolge gut zum Brügge. Getrennte Vergärung zweier Hefen dazu ein Hopfen aus Neuseeland. Passt. Platz 3.

6. Eden, Pale Ale; Yankee & Kraut, Ingolstadt
Mir fehlte für das Tasting lange Zeit noch ein passendes Pale Ale. Bin dann auf das Eden von Yankee & Kraut gestoßen. Gut, das Etikett ist schon stylish, aber von den Jungs aus Ingolstadt wollte ich schon immer mal was auftischen. Diese Pale Ale war so bisschen mein Favorit. Mir hat es gefallen, schön hopfig in Richtung IPA mit ner ordentlichen Portion fruchtiger Aromen. Den Gästen nicht.

7. Tough Guy, East Coast Pale Ale; Sudden Death, Timmendorfer Strand
Eishockeyverrückte Craftbier-Brauer, das sind Oliver Schmökel und “Ricky” Nagel aus Timmendorfer Strand (dem Norddeutschen ja auch als Eishockey-Hochburg bekannt). Das Tough Guy Ale war der nächste Versuch, meine Gäste für Pale Ales zu begeistern. Nicht gelungen. Zu bitter und zu aromatisch. Aber genau das hat mir gefallen. Hab ne glatte 2 gegeben. Mehr davon, Jungs!

8. Nya Världens India Pale Ale, India Pale Ale; Poppels, Schweden
Coole Flasche, 50 IBU, 6,5% Umdrehungen. Ein abgerundetes und harmonisches IPA. Mein Favorit des Abends. Aber eben auch nur meiner 😉

9. Nr. 23, Porter; Grebhans, Bremen
Mein zweiter Versuch mit einem Bier von der kleinen Brauerei Grebhans aus Bremen. Nachdem ich mit dem Gevatter Stout X, einem Imperial Espresso Milk Stout, so richtig baden gegangen bin, hat dieser Spezialsud Nr. 23, ein Porter, das 9. Tasting für sich entscheiden können. Das hatte ich noch nie, dass ein Porter ausnahmslos Begeisterungsstürme hervorgerufen hat. Wow! Natürlich liegt es immer auch an den persönlichen Vorlieben der Gäste. Aber das hier war auch richtig gut: nicht zu süß, kräftige Röstaromen gepaart mit Schokonoten. Perfekt. Und eine richtig tolle Empfehlung der Brewcomer-Mitarbeiterin und Redakteurin des Craftbeer-Magazins Michal E. Plümer! Danke!

10. Roundhouse Kick, Imperial Stout; Crew Republic, München
Das ist nix für Anfänger (und auch zum Abschluss eines Tasting-Abends eine echte Herausforderung): 71 IBU, 9,2 Vol. %. Hier ist alles in Mengen drin: Hopfen, Malz, Alkohol. Kann man mal haben. Aber nicht so oft.

No. 8: Honk A Tonk, Lillebräu – Kiel

Gimme, gimme, gimme a “Honk A Tonk”!

Ich mache mal gleich weiter mit der nächsten feinen und experimentellen Kreation aus Kiel: Lillebräu oder auch in Kurzform Lille und Zeugenbräu aus Ahrensburg haben als Kollaborationsbräu ein ganz besonderes Bier für das Craftbeer-Magazin konzipiert. Herausgekommen ist dabei ein Brown Ale mit Tonka-Bohne. Tonka-Bohne? Soll irgendwie nach Vanille schmecken. Meine Begeisterung hält sich zunächst in Grenzen, zumal ich nicht so der Fan dunkler Biere bin.

Lille – Honk A Tonk

Nachdem das “Honk A Tonk” einige Zeit im Regal stand und ich immer einen Bogen drum gemacht habe – wobei ich mehrfach an dem auffälligen Etikett hängengeblieben bin (ein Hingucker!) -, war es dann neulich an einem dieser so typisch verregneten, norddeutschen Wintertag so weit. Mein erster Gedanke nach dem Einschenken: oh, ein Stout? Denn mit seiner sehr dunklen Farbe und der festen Schaumkrone sieht es ganz danach aus. Doch schon beim ersten Schluck stelle ich fest, dass dieses Brown Ale einen schlankeren Körper als ein Stout hat, nicht ganz so massig und kräftig, jedoch mit einem ordentlichen Malzkörper, der dem Bier eine Portion Schokoaromen und Kaffeenoten verleiht. Dazu kommen dann noch die Vanillearomen der Tonkabohne, die dem Bier gemahlen beigefügt wurde. Dabei sind die Vanillearomen nicht zu aufdringlich, verbleiben aber dafür nach dem Herunterschlucken noch eine Weile in der Kehle. Eine spannende Mixtur. In jedem Fall ist das “Honk A Tonk” schon mal für mein nächstes Tasting vorgesehen. Hoffe nur, dass Max und Florian von Lillebräu das “Honk A Tonk” dauerhaft in das Sortiment aufnehmen.

Fazit:

Im Ergebnis bin ich äußerst positiv überrascht. Seit langem mal ein Dunkelbier, das begeistert. Ein echtes Nachtisch-Bier, das nicht nur etwas für Dunkelbierenthusiasten ist, sondern für alle, die Bock auf etwas Ausgefallenes haben. Passt zu dunkler Schokolade, Regenwetter und Rolling Stones.


Die Eckdaten:

Bierstil: Brown Ale
Hopfen: Nugget
Bittereinheiten: 10 IBU
Alkoholgehalt: 6,1 % Vol.


Die Höker:

Das “Honk A Tonk” gibt es bei:

No. 7: Pils, Lillebräu – Kiel

Pils ist nicht gleich Pils. Ich hatte kürzlich bei der Kieler Nacht der Hotelbars im Kieler Kaufmann die Gelegenheit, die neueste Kreation der Kieler Craftbeer-Brauerei Lillebräu zu testen: das Pils.

Lille – Pils

Lillebräu, das sind sind die beiden Bierfreaks Max Kühl und Florian Scheske, die 2014 die fixe Idee hatten, selber Bier zu brauen. Gesagt getan: 2014 Lillebräu gegründet, dann ganz viel in der WG-Küche rumexperiementiert und 2015 mit dem ersten Bier auf den norddeutschen Markt gegangen. Noch sind die beiden sogenannte Kuckucksbrauer. Gebraut wird also nicht in der eignen Brauerei, sondern man nutzt Kapazitäten in fremden Brauereien. Noch. Im Laufe des Jahres soll die eigene Brauerei stehen.

Zum Sortiment zählen ein Lager, ein Pale Ale sowie erst seit mehreren Monaten ein Brown Ale. Nun ist seit kurzem ein Pils dabei. Pils, das ist dieser Standard-Bierstil, der in der Craftbeer-Szene etwas unterrepräsentiert ist.

Hier in Norddeutschland trinken wir gerne herbe Pilsener. Passt. Das Lille Pils ist typisch norddeutsch herb. Aber es ist mehr.

Das Pils ist mit den drei Hopfensorten Magnum, Saphir und Tettnanger gebraut. Den Hopfen beziehen die Jungs aus dem südlichsten Hopfenanbaugebiet Deutschlands in Tettnang. Der Magnum ist in erster Linie für die Bitterkeit verantwortlich, während die beiden anderen Sorten dem Pils blumige Aromen verleihen. Ich schmecke leichte fruchtige, Zitrusnoten. Insgesamt eine herbe Basis, die durch feine Fruchtnoten mit einer Tendenz in das Zitronige ergänzt wird. Dadurch ist es angenehm frisch. Und das Malz? Erscheint mir etwas kräftiger zu sein, als bei einem herkömmlichen Industriepils. Etwas stärker geröstet mit einem Hauch von Karamell.

Fazit:

Ein ganz feines norddeutsches Pils. Passt zu Fußball.


Die Eckdaten:

Bierstil: Pils

Hopfen: Magnum, Saphir, Tettnanger

Bittereinheiten: 38 IBU

Alkoholgehalt: 5,0 % Vol.


Die Höker:

Das “Lille Pils” ist ganz frisch in den Regalen im gut sortierten Lebensmitteleinzelhandel in Kiel und bei:

No. 5: 663 Urban Wheat Ale, Kraftbierwerkstatt – Böblingen, Baden-Württemberg

Doch kein Weizen im Winter! Ist ja auch kein Weizen. Nachdem ich von meinem ersten Wheat Ale-Erlebnis nicht so angetan war, bin ich neulich auf diese schmucke Flasche der Kraftbierwerkstatt aus Böblingen bei Stuttgart gestoßen. Das ansprechende Etikett hat meine Neugier geweckt:

“Sag niemals Weizen zu unserem Wheat Ale! Wir haben uns die größte Mühe gegeben, dem 663 einen eigenen Charakter zu verpassen. Der heimliche Star ist der speziell dafür gezüchtete Hefestamm. Das 663 schmeckt einfach Awesome! Dieser Name war aber schon vergeben.”

Ganz gespannt mache ich mir also mitten im trüben, norddeutschen Winter ein klassisches Sommerbier auf und betrachte ein hellgelbes, trübes Ale mit einer recht überschaubaren und feinporigen Schaumkrone in meinem Glas. Sieht ganz prickelig aus und bringt einen Geruch von leichten, fruchtigen, etwas zitronigen, säuerlichen Hopfennoten mit sich. Der erste Schluck: irgendwie wie Weißbier, süffig, hefe-lastiges, mildes Aroma, feinperlig. Das Hopfenaroma tritt in den Hintergrund. Erst im Abgang kommen die Hopfennoten, die mich dann geschmacklich etwas an Banane erinnern, stärker zum Vorschein.

Kraftbierwerkstatt – 663 Urban Wheat Ale

Fazit:

Das 663 Urban Wheat Ale ist insgesamt eine ganz spannende, hefelastige Komposition mit recht fruchtigen Noten, die aber nicht ganz so meinen Geschmack trifft. Ich werde es wohl im Sommer noch mal testen, dann gefällt es mir eventuell etwas besser. War vielleicht auch irgendwie ne blöde Idee, so ein Wheat Ale mitten im Winter aufzumachen.

 

No. 2 – 4: Eine kleine Ale-Serie im Brauhaus Lemke, Berlin

Berlin ohne Craft-Beer ist wie Berlin ohne Currywurst! Die Frage ist nur, wo geht es hin? Denn schließlich gibt es in Berlin mittlerweile zahlreiche Kreativbier-Brauereien (Biere sind mir u.a. von Berliner Berg, Heidenpeters und Vagabund bekannt) und unzählige Craftbier-Kneipen. Ich hatte von der Brauerei Lemke bei meinem ersten Tasting bei Brewcomer positiv die Hopfen-Weiße, ein Weizenbock-IPA, in Erinnerung. Also, wollen wir mal schauen, was die Jungs von der ältesten Berlin Craftbier-Brauerei Berlins – Oli Lemke startete bereits 1999 – sonst noch so auf Lager bzw. am Zapfhahn haben. Zentral gelegen am Hakeschen Markt habe ich mich dort mit einem Bekannten getroffen. Beim Blick auf die Karte der lemkeschen Bierkreationen viel es zunächst schwer.

Brauhaus Lemke, Bierkarte

Da es ein kurzer Abend werden sollte, kam die Idee nach der Verkostung einer kleinen Ale-Serie: zunächst das 030 Berlin Pale Ale (No. 2), dann das India Pale Ale (No. 3) und zum Abschluss ein Imperial IPA (No. 4).

Wir starten mit einem leichten Pale Ale, dem 030 Berlin Pale Ale. Die Karte verrät uns immerhin 30 Bittereinheiten (IBU) und 5% Vol. Dann steht ein recht helles Bier mit mäßiger Schaumkrone auf dem Tisch. Schon beim ersten, feinperligen Schluck kommen sehr fruchtige Hopfenaromen durch, die uns an Mango aber auch Zitrusfrüchte erinnern. Ich tippe auf den Cascade-Hopfen. Im Abgang ist es sehr leicht. Der Malzkörper erscheint mir recht schlank. Ein guter Start, aber für meinen Geschmack etwas zu schwach auf der Brust.

Lemke – 030 Berlin Pale Ale

Aber wir können uns ja noch steigern und bestellen das India Pale Ale mit seinen 60 Bittereinheiten (IBU) und einem Alkoholgehalt von 6,5%. Zack, da isses! Bernsteinfarben, sogar leicht rötlich meint mein Bekannter. Wir sind uns nicht ganz sicher in dem recht dämmerigen Licht und stoßen an. Schon im Antrunk umspült das sehr fruchtige und zugleich deutliche herbere und bittere Hopfenaroma unsere Gaumen. Wow! Gleich noch ein Schluck. Spritzig, ja malziger. Und der Hopfen deutlich anhaltender im Geschmack und bitterer, bestimmt doppeltgehopft, vermutlich Casacade und … keine Ahnung. Aber wir finden das IPA angenehm abgerundet und ausgewogen in den Fruchtnoten und der Bitterkeit. Richtig jut!

Lemke – India Pale Ale

Und zum Abschluss das Imperial IPA mit seinen 70 Bittereinheiten und 11 % im 0,2 l Glas. Wir wundern uns nur kurz über ein 0,3 l Glas. Nehmen einen ersten Schluck und fangen an zu fachsimpeln. Beim zweiten Schluck stellen wir fest, dass es doch wohl nicht das Imperial IPA ist sondern wieder das IPA von eben. Also zurück und noch mal neu. Dann wird uns noch etwas dunkleres und trüberes Bier mit festerem Schaum serviert. Die Bitternoten des Hopfens übersteigen nun die Fruchtaromen, die zunächst im Antrunk präsent sind und zusätzlich von einem süßliche Malzaroma ergänzt werden, dann aber von den langanhaltenden Bitternoten abgelöst werden. Auch nicht schlecht diese Komposition!

Lemke – Imperial IPA

Das waren nun unsere persönlichen Geschmackserlebnisse. Wie das Brauhaus Lemke nun selber diese drei Kreationen, die bereits mehrere Auszeichnungen erhalten haben, darstellt, könnt ihr hier nachlesen. Meine Vermutung mit dem Cascade-Hopfen war schon mal ganz gut.

Bleibt nur die Frage, warum ich anstelle einer Curry-Wurst einen Salat gegessen habe…

No. 1: Huh! – Icelandic Arctic Pale Ale, Einstök Ölgerd – Akureyri, Island

Seit der Fußball-EM im Sommer 2016 wissen wir, dass die Isländer richtig gut Fußball spielen können. Aber auch Bier brauen? Na klar.

In der kleinen Fischerstadt Akureyri, immerhin die größte Stadt außerhalb des Ballungsraumes Reykjavik, nur wenige Meilen südlich des Polarkreises gibt es die Einstök Brauerei. Passend zu den derzeit frostigen Temperaturen hier im Kieler Raum habe ich mir kürzlich das Icelandic Arctic Pale Ale der Brauerei Einstök aus Island aufgemacht.

Schon beim Öffnen und Eingießen kommen mir leichte Hopfennoten entgegen und machen Lust auf mehr. Im Glas eingegossen zeigt sich ein Pale Ale mit einer goldbraunen Farbe, die bei mir Assoziationen an Karamel und Toffee hervorrufen. Beim ersten Schluck kommen die leicht süßlichen Malzaromen des feinperligen, mit isländischem Gletscherwasser gebrauten Ales zur Geltung und werden dann von den beiden Hopfensorten Northern Brewer und Cascade eingerahmt. Der amerikanische Cascade Hopfen ist verantwortlich für die fruchtige Note dieses Ales, während der Northern Brewer, ein englischer Bitterhopfen, die angenehme und zurückhaltende Bitterkeit hervorbringt. Immerhin kommt das Arctic Pale Ale mit 33 Bittereinheiten (IBU) daher. Im Ergebnis sind die malzige Süße und die Bitterkeit des Hopfens angenehm ausgewogen, ideal abgestimmt und bringen ein feines Toffee-Aroma mit sich.

Bei einem meiner ersten Tastings hat dieses Pale Ale die Teilnehmer am meisten überzeugt (was zugegebenermaßen aber auch damit zusammenhängt, dass Tasting-Teilnehmer mit wenig Craftbeer-Erfahrungen geschmacksintensiven und stark gehopften Bieren zunächst sehr zurückhaltend gegenüberstehen). Rundherum ein klasse Pale Ale. Mir schmeckt es! Prost!

Fazit:

Das Einstök Icelandic Arctic Pale Ale ist aus meiner Sicht ein ideales Bier für den Einstieg in die Craftbeer-Welt, nicht zu bitter und angenehm süß.


Die Eckdaten:

 

Bierstil: Pale Ale

Hopfen: Cascade, Northern Brewer

Bittereinheiten: 33 IBU

Alkoholgehalt: 5,6 % Vol.


Die Höker:

Das Einstök Icelandic Arctic Pale Ale habe ich gesehen und gekauft bei:


 

Mein Vorsatz für 2017: ein Blog über Craftbeer

Mein Vorsatz für das Jahr 2017 ist nicht unbedingt weniger Bier zu trinken, sondern mehr über das Biertrinken schreiben. Genaugenommen habe ich vor, hier über verschiedene Biere, die ich im Laufe des Jahres so trinken werde, zu schreiben.

Im vergangenen Jahr habe ich meine Begeisterung für Craftbeer entwickelt. Angefangen hat es mit einem Tasting bei dem Kieler Craftbeer-Laden Brewcomer im Sommer 2016. Seitdem habe ich an die 100 Biere probiert und selber in kleiner Runde mehrere Tastings durchgeführt. Warum also nicht die Eindrücke der verschiedenen Biere hier teilen?