No. 33: The Chameleon, Baltic Brewery – Sörup

Ein neues Bier einer neuen Brauerei: “The Chameleon”, ein Pale Ale der Baltic Brewery aus Sörup, gebraut und abgefüllt bei der Wittorfer Brauerei in Neumünster.

Die Brauerei/Die Braumeister – The Baltic Brewery

Das schönste Bundesland der Welt ist um eine Craftbier-Attraktion reicher: In Sörup – wir Schleswig-Holsteiner wissen, dass dieser Ort irgendwo wischen Flensburg und Eckernförde liegt – tüfteln Paul Alford und Martin Molzen an eigenen, handgemachten Bieren. Ende des vergangenen Jahres haben die beiden mit ihrer Baltic Brewery den ersten Sud abgefüllt und bringen diesen nun unters bier-durstige Volk. Bislang sind die beiden als Gypsy-Brewer unterwegs, das heißt, sie nutzen fremde Brauereien um ihre Sude in einer entsprechenden Menge zu brauen. Für die Zukunft ist aber durchaus einiges geplant: weitere Biere und vielleicht sogar eine eigene Brauerei mit Taproom. Das Motto der beiden: “Crafting great beer locally.”

Das Bier

Nun habe ich “The Chameleon”, das erste Bier dieser noch jungen Brauerei, das bei der Wittorfer Brauerei in Neumünster gebraut wurde, im Glas. Dem Etikett nach “a darker pale ale” mit einem Alkoholgehalt von 6,7 Vol. %. Leider kann ich dem Etikett nicht entnehmen, welche Hopfensorten verwendet wurden. Braumeister Martin hat es mir nach einer kurzen Anfrage schnell verraten: als Bitterhopfen Columbus, Citra und Vic Secret als Aromahopfen, mit dem das Bier “gestopft” wurde. Dazu die drei Malze: Pale Ale, Crystal und Dark Crystal. Es spannende Hopfenkombination, die definitiv neugierig macht. Also schauen wir mal, was dieses Pale Ale so drauf hat.

Das Bier mit seiner brauen Farbe und der überschaubaren Schaumkrone erinnert mich an ein Brown Ale. Ich verweile aber nicht lange beim Betrachten des Bieres. Der fruchtige Duft lenkt ab und baut die Spannung auf den ersten Schluck auf. Im Antrunk wird es fruchtig. Der Geschmack erinnert an mich Ananas und tropische Früchte wie Mango, Passionsfrucht und auch Pfirsich. Dieses fruchtige Hopfenaroma, für das vor allem der australische Aromahopfen Vic Secret verantwortlich ist, wird dann aber schnell abgelöst von einer vollmundigen, würzigen, harzigen und süßlichen Phase. Nach diesem Übergang kommt es dann zu einem IPA-typischen Finish: trocken, mit einer lang anhaltenden Hopfenbittere. Braumeister Martin meint, dass das Chaemleon zwar als Pale Ale deklariert ist, in Wirklichkeit aber ein feines IPA geworden ist. Da ist was dran.

Fazit

“The Chameleon” spannt den Bogen von einem Brown Ale bis hin zu einem IPA. Es ist wandelbar wie ein Chamäleon… Chapeau! Ich bin gespannt auf die nächsten Biere der Baltic Brewery.


Die Eckdaten:

Bierstil: Pale Ale/IPA
Hopfen: Columbus, Citra, Vic Secret
Bittereinheiten: 43
Alkoholgehalt: 6,7 % Vol

No. 32: Hop the barrel, Landgang Brauerei – Hamburg

Kurz vor Weihnachten habe ich Lars von Landgang in seiner Brauerei in Hamburg-Altona einen Besuch abgestattet, um die neuesten Landgang-Kreationen, das “Hybridantrieb” und das “Hop the barrel” kennenzulernen. Das ganze habe ich dann mit einem Bier-Sharing verbunden und hatte Höppners Little Oak” und das “Wave”, ein Wheat Ale, das als Kollab von Czernys Küstenbrauerei und dem Brauklub Kiel entstanden ist, im Gepäck. Dafür gab es für mich eine Flasche je eine Flasche dieser spannenden Biere aus dem Landgang-Braukessel inklusive einer ersten Verkostung vor Ort und Fachsimpelei mit Braumeister Sascha.

Beide Biere haben es in sich. Ich habe mir vor kurzem in Ruhe das “Hop the barrel” zum Verkosten vorgenommen. Über das “Hybridantrieb”, ein Bier-Wein-Hybrid, findet ihr einen Verkostungsbericht bei Mareike Hasenbeck’s Blog “Feiner Hopfen“.

Die Brauerei

Kurz zusammengefasst: Landgang, ehemals Hopper, ist eine Craftbier-Brauerei aus Hamburg-Altona. In Hamburg zählt Landgang hinter Ratsherrn zu einer der, wenn nicht sogar der größten Craftbier-Brauerei. Ein Grund für den Erfolg aus meiner Sicht: das Landgang-Team schafft den Spagat zwischen hochwertigen Bieren, die eine gewisse Masse ansprechen und auch den vermeintlichen Industriebiertrinker nicht verschrecken, und experiementierfreudigen Suden, die den Craftbier-Nerd begeistern. Kurzum: es ist für jeden etwas dabei.

Mehr zu Landgang könnt ihr in meinem Verkostungsbericht No. 28 von dem Pale Ale “Hopfnung” aus dem vergangenen Oktober lesen.

Das Bier

Es steht die Flasche 1626 des “Hop the barrel” auf dem Tisch. Es ist ein Barley Wine, gelagert in Bulleit Bourbon Fässern. Was verbirgt sich noch gleich hinter dem Bierstil Barley Wine? Biersommelier und Bierbrauer Oliver Wesseloh von Kehrwieder bezeichnet Barley Wine in seinem Buch “Bier leben” als Back-Up-Lösung für Wein in dem weinarmen England des 19. Jahrhunderts. Sehr treffend wie ich finde. Was hat man gemacht? Man hat ein äußerst komplexes Bier gebraut, das ein Stück weit Funktionen eines Weines erfüllen kann. Es ist ein obergäriges Bier mit viel Aroma von Dörrobst und süßen Früchten, hohem Alkoholhehalt und wenig Kohlensäure.

Zur Einstimmung lohnt ein Blick auf die Flasche:

“In der Tiefe der Bourbonfässer schlummern die Aromen und Geschichten der vergangenen Jahre. Wir haben sie in dieser Flasche eingefangen. Für die Momente, in denen man nichts mehr sagen muss, in denen Schweigen zur Anerkennung wird. Das magische Theater – nur für Verrückte! Silencio.”
Rockt zu Cigarren und einem guten Buch
Trinktemperatur 12-14 °C, Nur im Glas
Unfiltriert, nicht pasteurisiert, fassgereift


Ich bin bereit für diese Geschichte. Zwar ohne Cigarre und Buch, dafür habe ich den Kaminofen eingeheizt und das Album “Blues” von Jimi Hendrix aufgelegt.

Ich halte mich an die Empfehlung zur Trinktemperatur. Direkt aus dem Bierregal im Keller kommt das “Hop the barrel” in das Verkostungsglas. Feiner Anblick: ein dunkles, rötlich braunes Bier mit einer wie für einen Barley Wine typisch überschaubaren hellbraunen Schaumkrone, die von kurzer Dauer ist. Sofort kommt der Geruch von Bourbon-Whsikey zur Geltung. Da hat die Lagerung und Reifung in Bourbonfässern schon mal ganze Arbeit geleistet. Diese Geschmacksnoten setzen sich beim ersten Schluck dieses samt-weichen Gebräus fort. Hinzu kommen süßliche Aromen von Trockenfrüchte, Dörrobst und ein wenig Vanille.Im Abgang kommen zu den süßlichen Noten leicht rauchige Whiskeyspuren bei einer dezenten Hopfenbittere dazu. Wenn ich mich recht an das Gespräch mit Braumeister Sascha erinnere, wurden für dieses Barley Wine drei Hopfensorten verwendet. Einer davon ist der Amarillo-Hopfen. Dieser passt mit seinen Aroma-Eigenschaften gut zu einem Barley Wine.

Fazit

Sehr schöne Gesichte, dieser Barley Wine. Biertrinker, die gerne mal einen Whiskey und einen guten Rotwein trinken, sollten sich mal an dieses komplexe Craftbier wagen. Es hat das gewisse Etwas!

Die Höker

Das “hop the barrel” gibt es direkt bei der Landgang Brauerei in Hamburg, Beerenweg 12. Und mit Sicherheit auch im gut sortierten Craftbier-Einzelhandel.

No. 31: Mexican Standoff Stout, Freigeist / Emma / Braukollektiv – Freiburg

In der Vorweihnachts- und der Weihnachtszeit füllen sich die Bierregale mit sogenannten Weihnachtsbieren. Ich habe mit dem Mexican Standoff Stout, das als Kollaborationsbräu der drei Brauereien Freigast, Emma und Braukolletiv aus Freiburg entstanden ist, mein diesjähriges Weihnachtsbier gefunden.

Die Braumeister

Für dieses Milk-Stout haben sich folgende Kreativbier-Brauer zusammengetan.

Freigeist Bierkultur, Köln

Hinter Freigeist Bierkultur steckt der Kölsche Jung Sebastian Sauer. Nach einer Bierentdeckungsreise in das Nahe Belgien war es um ihn geschehen. Eigenes Brauen sollte seine Passion werden.

Emma – Biere ohne Bart, Freiburg

Emma steht für ausgezeichnete Biere aus Freiburg. Habe bereits das Zapotopaz verkostet und in meinen Tastings Biere von Emma präsentiert. Dort findet ihr mehr über Emma.

Braukollektiv, Freiburg

Freiburg ist für mich ein Craftbier-Hotspot in Deutschland. Das liegt nicht zu guter letzt an den Kreationen vom Braukollektiv wie etwa dem Brown Ale Horst. Mehr über das Braukollektiv lest ihr dort.

Das Bier

Bei dem Mexican Standoff handelt es sich um ein Milk-Stout mit einem Alkoholgehalt von 6,0 Vol. %. Eingebraut mit Haferflocken. Dazu etwas Lactose, Rauchmalz und als Besonderheit wurde das Gebräu mit Tonka-Bohnen und Zimtstangen vergoren. Auch Lillebräu aus Kiel hat bereits einmal ein Stout mit Tonka-Bohnen gebraut (siehe hier).

Dieses Stout wartet mit einer hellbraunen, leicht cremigen Schaumkrone auf. Der Schaum verflüchtigt sich nicht sehr schnell, bleibt gut am Inneren des Glases haften und gibt es nach einer Weile einige Aromen für die Nase frei. Diese sind etwas rauchig und vanillig.

Das leicht Rauchige kommt dann beim ersten Schluck wieder durch. Dabei fällt auf, dass das Stout unerwartet schlank ist. Es folgen Spuren von Kakao und ein wenig Zartbitterschokolade. Vanille ist nur ganz schwach zu schmecken. Die war beim Geruch intensiver. Im Abgang wird es würziger und zimtig. Im Gaumen ist es recht trocken.

Fazit

Die Experimentierfreudigkeit dieser drei Brauer und Brauerinnen hat sich gelohnt. Es ist ein durchaus spannendes Stout mit rauchigen und würzigen Noten herausgekommen. Das passt gut in die Winterzeit.

Mein Rückblick auf das Tasting No. 13 – Experten-Tasting

Mein 13. Craftbier-Tasting war ein besonderes Tasting: besondere Biere aus unterschiedlichen Ländern mit dem Schwerpunkt USA und fachliche Expertise von BREWCOMER mit am Verkostungstisch.

Die Höhen und Höhen dieser Verkostung stelle ich hier kurz vor:

1. Redbud Berliner Weiße; Independence Brewing Company – Austin/Texas, USA

Ich habe das Tasting mit dieser texanisches Interpretation einer Berliner Weiße begonnen. Ein leichter und säuerlicher Einstieg.

IBU: 20; 4,5 Vol.
Tasting-Bewertung: 3,625 von 5,0 Punkten.

2. Bridgman Camper, Lichtenhainer; Brekeriet Beer AB – Landskrona, Schweden

Es ging mit einem weiteren Sauerbier weiter. Von der südschwedischen Brauerei Brekeriet ein Lichtenhainer. Lichtenhainer ist als alter, regional verbreiteter Bierstil aus Deutschland. Die Jungs von Brekeriet aus Schweden haben sich auf das Brauen von Sauerbieren spezialisiert. Das Bridgman Camper besticht durch sein Zusammenspiel von Säure und rauchigen Noten. Wir waren uns einig, dass man dieses Lichtenhainer auch Ideal als Aperitif reichen kann.

IBU: NN; 4,4 Vol. %
Tasting-Bewertung: 3,6875 von 5,0 Punkten.

3. HefeWeizen, Weizen; Live Oak Brewing – Austin/Texas, USA

Ein solides Hefeweizen der Live Oak Brewing Company aus Texas mit Aromen von Banane und Nelken. Diese Brauerei stellt seit 1997 Biere her und hat sich auf europäische Bierstile fokussiert.

IBU: 12; 5,2 Vol. %
Tasting-Bewertung: 3,375 von 5,0 Punkten

4. Yakima Pilsner, Pils; Vocation Brewery – Hebden Bridge, England

Schon beim Öffnen der Dose kommen fruchtige Hopfenaromen durch. Im Ergebnis ein äußerst hopfenbetontes, fruchtiges Pils. Sehr samtig und smoothig. Nicht vergleichbar mit einem herben, norddeutschen Pils. Für mich die Überraschung des Abends.

IBU: NN; 5,5 Vol. %
Tasting-Bewertung: 4,0 von 5,0 Punkten

5. Hoppy Blonde, Blonde Ale; Austmann – Trondheim, Norwegen

Von den Pionieren des norwegischen Craftbieres, der Austmann Brauerei aus Trondheim, stammt dieses Blonde Ale. Ein leichtes Ale, das fruchtige Zitrus- und Orangennoten mit einer feinen Süße und geringer Bittere verbindet. 

IBU: 29; 4,5 Vol. %
Tasting-Bewertung: 3,5625 von 5,0 Punkten

6. Conditions, New England Pale Ale; Arrow Lodge Brewing – Covina/California, USA

Ein New England Pale als Kollab der Arrow Lodge Brewing mit Los Angeles Ale Works war als nächstes an der Reihe. Zunächst haben uns der Hinweis “with Bird Pick Pineapple Dreams tea” etwas verwirrt. Dieses einzigartige, hazy Pale Ale hat also irgendeinen Tee-Zusatz. Geschmacklich führt es zu einem intensiven Fruchtcoktail der schwer zu fassen war. Also irgendwie Multivitaminsaft. Bonuspunkte gibt es für die Gestaltung des Etiketts der Dose.

IBU: NN; 5,8 Vol. %
Tasting-Bewertung: 3,8125 von 5,0 Punkten

7. Juicy IPA, Session IPA; Klokk & Co. – Oslo, Norwegen

Der zweite norwegische Vertreter an diesem Abend stammt von der Klokk & Co. Brauerei aus Oslo. Im nachhinnein hätte dieses Session IPA besser vor das New England Pale Ale gepasst. Denn es ist mit seinen 25 IBU und 4,5 Vol. % deutlich leichter und geschmacklich weniger intensiv. Juicy ja, aber sehr zurückhaltend und hinten raus etwas dünn.

IBU: 25; 4,5 Vol. %
Tasting-Bewertung: 3,375 von 5,0 Punkten

8. Northern Trails No. 2, New England IPA; Mikkeller – Kopenhagen, Dänemark

Exklusiv für die SAS ist dieses hazy IPA mit den Hopfen Mosaic, Nelson Sauvin, Simcoe und Citra eingebraut. Es dominiert hier der Nelson Sauvin-Hopfen, der dem IPA Noten von Weintrauben verleiht. 

IBU: NN; 6,6 Vol. %
Tasting-Bewertung: 4,125 von 5,0 Punkten

9. BGB IPA, IPA; Big Grove Brewery – Iowa City/Iowa, USA

Auf ein NEIPA folgt natürlich ein Vertreter des Westcoast IPAs. Entschieden habe ich mich für das Big Grove Brewery IPA aus Iowa. Dieses IPA ist von der Klasse her dem Mikkeller NEIPA völlig ebenbürtig. Eingebraut ist dieses IPA mit den Hopfen Chinook und Simcoe. Die typische trockene Bittere ist nicht zu üppig und rundet den fruchtigen Part der an Grapefruit und Melone erinnert gut ab. 

IBU: NN; 7,0 Vol. %
Tasting-Bewertung: 4,125 von 5,0 Punkten 

10. La Maure Süre, Triple; La Maure – Bormes-les-Mimosas, Frankreich

Im vergangenen Sommerurlaub an der Côte d’Azur in Frankreich bin ich in einer kleinen Weinhandlung auf dieses Triple gestoßen. Die kleine Brauerei aus einem kleinen Örtchen in Südfrankreich zwischen Toulon und St. Tropez produziert seit Sommer 2017 Craft-Bier. Diese südfranzösische Version eines belgischen Triple hat alles was ein gutes Triple braucht: ein angenehme, malzige, leicht karamellige Süße, die den Alkoholgehalt von immerhin 8,0 Vol. % gut überspielen.

IBU: NN; 8,0 Vol. %
Tasting-Bewertung: 3,875 von 5,0 Punkten

11. Sweet Baby Jesus, Porter; DuClaw Brewing Company – Baltimore, USA

Ein Chocolat Peanut Butter Porter aus den USA gekauft in einem gut sortierten Bierladen in Straßburg. Es riecht und schmeckt recht intensiv nach Erdnussbutter. Das liegt nicht an der Hopfenzugabe sondern ein Geschmackaszusätzen. Kann man mögen, muss man aber nicht. Geschmacklich interessant, mir aber zu künstlich.

IBU: 33; 6,2 Vol. %
Tasting-Bewertung: 2,9375 von 5,0 Punkten

12. Siidisuka, Imperial Milk Stout; Purtse Pruulikoda – Purtse, Estland

Ein estnisches Imperial Milk Stout in einer optisch bemerkenswerten Flasche. Das ist das Siidisuka der kleinen Purtse Brauerei. Für die Flasche und das Design des Etiketts haben wir einen extra Punkt vergeben. Das Stout selber ist für ein Imperial Stout mit 6,3 Vol. % noch recht leichtgängig. Ein angenehm weiches Stout mit feinen Schokoaromen.

IBU: 27; 6,3 Vol. %
Tasting-Bewertung: 3,5625 von 5,0 Punkten

13. Mocha Machine, Imperial Porter; Beachwood Brewing – Long Beach/California, USA

Den Abschluss dieses Tasting macht ein Imeprial Porter der Beachwood Brewing Company. Die sehr gute Bewertung von 4,18 Punkten bei untappd haben mich neugierig gemacht. Um es vorwegzunehmen: ich habe selten ein so gutes Porter oder Stout getrunken. Und meinen Gästen ging es ebenso. Wer hier ein Porter erwartet, das nach kaltem Kaffee mit Alkohol schmeckt, sieht sich getäuscht. Dieses Porter überzeugt durch seine smoothige Textur und nicht zu aufdringliche Kaffee-Noten.
Der Tasting-Sieger am heutigen Abend!

IBU: 46; 9,2 Vol. %
Tasting-Bewertung: 4,375 von 5,0 Punkten

No. 30: Lille Stout, Lillebräu – Kiel

Max und Flo von Lillebräu bereiten sich die Tage gerade intensiv auf die Eröffnung der eigenen Brauerei in Kiel vor. Nebenbei wird in der neuen Brauanlage aber schon fleißig gebraut und an neuen Bieren gearbeitet. Ganz frisch abgefüllt und heute bei mir im Lille-Verkostungsglas das Lille Stout.

Die Brauerei / Die Braumeister

Ich fasse mich hier etwas kürzer als gewohnt. Über Lillebräu habe ich hier schon häufiger geschrieben (Honk a tonk, Genussschein). Seit meinem letzten Beitrag ist aber einiges passiert bei Lille. Im Gewerbegebiet Alte Weide in Kiel wurde in den letzten Monaten die eigene Brauerei errichtet. Aber nicht nur eine Brauerei sondern eine Brauerei mit einem offenen Schankraum dazu. Die Idee dahinter: ein leckeres Lille trinken und dabei gefühlt mitten in der Brauerei sitzen, um Eindrücke von dem Brauen zu bekommen. Und das Lille-Team hat mit Daniel Elich einen Barchef (war vorher beim Alten Mädchen in Hamburg) und mit Broder einen Braumeister als Verstärkung bekommen.

Die offizielle Eröffnung steht kurz bevor. Um sich für die Eröffnung warm zu laufen gibt es seit Mitte September freitags und samstags ein pre-opening (Lille’s sanfter Freitag und Lille’s Fflotter Samstag). Dann laufen unterschiedliche Biere von Lille und anderen Brauereien aus den insgesamt 12 Zapfhähnen (ok, aus 2 Hähnen läuft Wasser). Währenddessen finden noch kleinere, bauliche Restarbeiten statt, und es wird fleißig an neuen Bieren gearbeitet, die das bestehende Lille-Sortiment von Pils, Lager und Pale Ale erweitern. In Planung sind ein Weizen, ein Helles und ein Stout. Von dem Hellen und dem Stout wurden mittlerweile erste Fässer und Flaschen abgefüllt, um den Weg in die Kieler Kehlen zu finden.

Das Bier – Lille Stout

Ich habe neulich bei einem Besuch der Warmlauf-Veranstaltung “flotter Samstag” bereits das Stout probiert und daraufhin gleich eine Flasche mitgenommen, um es zu verkosten. Die Abfüllung dieses (vermutlich ersten) Sudes war noch so frisch, das der Flasche noch das Etikett fehlt. So habe ich mich noch mal auf den Weg gemacht, um im gut sortierten Craftbier-Handel in Kiel eine etikettierte Flasche des Lille Stout zu erwerben.

Nun also ein Kieler Stout. Bei einem Stout denke ich zunächst ersteinmal an ein Guiness. Ein tiefschwarzes Bier mit einer cremigen Schaumkrone, dass einen kräftigen Körper hat, so dass nach einem großen Glas ein leichtes Völlegefühl einsetzt. Um es vorweg zu nehmen. Dieses Stout ist anders. Die Schaumkrone verflüchtigt sich schon kurz nach dem einschenken. Im Glas dann ein Bier, das von der Farbe her an eine 75%ige Zartbitterschoikolade in flüssig erinnert. Die Zartbitterschokolade findet sich dann auch beim Geruch wieder. Wer dann aber ein volles, kräftiges Stout erwartet, wird feststellen, dass dieses Stout norddeutsch schlank daher kommt und mit einer ordentlichen Portion Röst- und Kakaoaromen aufwartet. Der Geschmack von Zartbitterschokolade kommt gut zur Geltung. Die kakaolastigen Bitternoten überwiegen gegenüber der malzigen Süße. Das Stout ist daher nicht zu süß. Das gefällt mir ganz gut. Im Abgang schmecke ich feine würzige und zimtige Noten.

Fazit

Lange musste man auf eine weitere Kreation von Lille warten. Es hat sich gelohnt. Mit diesem Stout zeigen die Jungs von Lille, dass Sie für unterschiedliche Bierstile eine eigene Kieler Interpretation finden, die dabei nicht zu abgedreht ist und daher auch für Biertrinker abseits von Craftbeer-Nerds bestens geeignet ist.


Die Eckdaten:

Bierstil: Stout
Hopfen: East Kent Goldings
Bittereinheiten: k.A.
Alkoholgehalt: 6,1 % Vol


Die Höker:

Das Lille Stout gibt es in limitierter Auflage aktuell bei Brewcomer in Kiel und frisch vom Fass bei Lille’s sanftem Freitag und flotten Samstag direkt in der Brauerei im Eichkamp 9c in Kiel. Dort dann natürlich auch zum Mitnehmen in Flaschen.

 

No. 29: Wilde Hefen, Branta Brauerei – Niebüll

Eine neue Biergeschichte aus dem hohen Norden mit folgenden Bestandteilen: einem Hobby-Ornithologen, einer Warft und wilden Hefen. Dabei kommt heraus: Branta Brauerei aus Niebüll in Nordfriesland. Eine kleine Heim-Brauerei mit dem speziellen Fokus auf Hefen. Ich habe das “Wilde Hefen”, ein Wild Ale verkostet.

Der Braumeister / Die Brauerei

Nordfriesland, das ist diese Landschaft, in der die wenigen Bäume immer schief sind und man mittags bereits sieht, wer zum Abendessen kommt. Und es ist eine Gegend, die bislang wohl kaum jemand mit Bier in Verbindung bringt. In Nordfriesland gibt es nun aber auf einer Warft direkt hinterm Deich seit diesem Jahr das Ebbüller Brauhaus. Dort werden verschiedene handwerkliche Biere gebraut (leider kenne ich diese noch nicht). In diese Brauerei hat sich Carsten Jepsen eingemietet.

Carsten Jepsen ist der Kopf hinter der Branta Brauerei. Geboren in Niebüll, dann zum Studium quasi in die weite Welt außerhalb Schleswig-Holsteins gezogen, Bier und Brauereien kennengelernt, um dann mit einer fixen Idee an den Heimbraukessel zurückzukehren. Die fixe Idee war nicht nur das Bierbrauen an sich, sondern das Experimentieren mit Hefen. Herausgekommen sind dabei mittlerweile verschiedene, besondere und komplexe Biere, die in kleinen Mengen gebraut werden und nach und nach den Weg in die norddeutsche Craftbier-Szene finden.

Das Bier – “Wilde Hefen”, ein wildes Ale

Als Liebhaber hopfenbetonter Biere wage ich mich nun an eines, bei dem nicht der Hopfen oder das Malz sondern die Hefe den Ton angeben. Für seine “helle, obergärige Bierspezialität” verwendet Carsten Brettanomyces-Hefen und eigene, wilde, obergärige Haushefen auf Basis eines Brettanomyces-Stamms. Diese dann für 2 Monate gemischt gegoren. Flaschengärung, Nachgärung und weiteres Reifen der Hefen verändern das Aroma der Hefen und damit das des Bieres dann weiter.

Schon beim Einschenken des Bieres aus dieser 0,375 Liter Flasche zeigt sich die Wirkung der Hefen. Das ist man ordentlich karbonisiert und ganz schön sprudelig, dieses hellgelbe, naturtrübe Bier mit seiner weißen, kurz beständigen Schaumkrone. Vom Geruch her erinnert es mich an ein Saison: etwas säuerlich und grasig. Spannend wird es dann beim ersten Schluck: der säuerliche Charakter entwickelt sich schnell einem fruchtigen Aromakomplex, der sowohl leicht süßliche, bananige Elemente als auch fruchtig-zitronige Noten hat. Ich bin wirklich beeindruckt, was sich aus diesen Hefen zaubern lässt. Das ist ein äußerst leckeres, erfrischendes Sommerbier – auch mit einem Alkoholgehalt von 6,0 Vol. %. Ich habe nur einen Fehler gemacht: Ich habe das Bier bei Schietwetter im Herbst getrunken.

Für eine Flasche “Wilde Hefen” musste ich mich nicht mal auf den Weg nach Nordfriesland machen, sondern konnte diese im weltbesten Bierladen Brewcomer beziehen.

Fazit

Branta Brauerei – das ist ein weiterer Hot-Spot in der Craftbier-Landschaft. Wilde Hefen hinterm Deich bei salzhaltiger Luft scheint ne irre Kombination zu sein. Das “Wilde Hefen” hat es in sich. Kompliment an Carsten Jepsen!

 

 

 

 

 

No. 28: Hopfnung, Landgang Brauerei – Hamburg

Es ist mal wieder an der Zeit, ein Bier aus der Biermetropole Hamburg zu verkosten. Heute im Verkostungsglas ein Pale Ale der Landgang Brauerei. Ich habe neulich auf einer Veranstaltung Lars Grosskurth, Gründer und einer der Köpfe von Landgang, kennengelernt. Wir haben dabei einige Flaschen Craftbier ausgetauscht. Er hat mir dabei das “Hopfnung” sehr ans Herz gelegt. Wollen wir also mal sehen, wie es sich so macht.

Die Brauerei

Mitten in Altona ist sie beheimatet, die Landgang Brauerei (ehemals Hopper). Und das mit einer eigenen, kleinen Brauerei. Eine Brauerei ohne Brewpub bzw. angeschlossener Bar macht wenig Sinn. Also gibt es in einem Schiffscontainer eine kleine Bar dazu. Im Angebot: 10 Craftbiere am Hahn, weitere aus der Flasche und den leckeren Landgang Hotdog.

Wer in den Getränkeregalen von Supermärkten auf Craftbier achtet, wird schnell feststellen, dass Biere von Landgang mittlerweile recht häufig zu finden sind. Unter den Craftbier-Brauereien gehört Landgang in Hamburg bzw. Norddeutschland zu den Großen. Auch wenn man mittlerweile größere Mengen braut, geht die Kreativität und das Kreieren neuer Sude nicht verloren. So finden sich im Sortiment neben ganzjährigen “Klassikern” wie etwa dem Pils oder einem IPA auch immer saisonale Biere und ausgefallene Bierstile wie etwa “Tutti Frutti”, ein frisches Sauerbier. Das “Helle Aufregung“, ein tschechisch inspiriertes Lager, hatte ich mal bei einem Tasting vorgestellt. Es ist ein ideales Bier für Craftbier-Einsteiger.

Das Bier

Das “Hopfnung” ist ein Pale Ale, genau genommen ein American Pale Ale. Was ist das Besondere an einem American Pale Ale? Ein American Pale Ale ist in gewisser Weise die Interpretation amerikanischer Brauer eines englischen Pale Ale. Verwendet werden amerikanische Aromahopfen. Das American Pale Ale ist im Vergleich zu dem klassischen, englischen Pale Ale hopfenaromatischer. Ein Klassiker und typischer Vertreter unter den American Pale Ales ist das Pale Ale von Sierra Nevada.

Wodurch zeichnet sich das American Pale Ale von der Landgang Brauerei aus? Der Teaser auf der Internetseite liest sich wie folgt:

“Hopfnung ist ein kompromissloses American Pale Ale. Es richtet sich an Liebhaber hopfenhaltiger Biere. Der Malzkörper ist schlank gehalten, so dass die Hopfennoten klar im Geschmack und Geruch dominieren. Ein Bier das frisch abgefüllt am Besten schmeckt. Daher hat es nur ein begrenztes Haltbarkeitsdatum.”

Leider sind bei der Beschreibung auf der Internetseite die verwendeten Hopfen nicht angegeben. Braumeister Sascha hat mir dieses Geheimnis gelüftet: Der diesjährige Sud wurde mit den Hopfensorten Citra, Ekuanot, Palisade und Willamette gebraut. Im Bier also vier amerikanische Aromahopfen, die dem Pale Ale unterschiedliche Aromen von Zitrusfrüchten und tropischen Früchten aber auch Beerenflavour und kräuterige Noten verleihen.

Ich bin gespannt, was ich da nun so rausschmecke. Das goldgelbe und leicht trüber Bier mit seiner hellen, beständigen Schaumkrone macht im Glas schon mal eine richtig gute Figur. Sobald sich der Schaum etwas verflüchtigt, nehme ich mal eine Prise Geruch auf. Tja, vom Geruch her würde ich sagen etwas Mango.

Kommt dann beim ersten Schluck ein Cocktail tropischer Früchte? Im Antrunk geben zunächst zitrusfruchtige und kräuterige Noten den Ton an, wenn auch nicht zu sehr dominant. Im Übergang umspült dann der weiche Körper die Zunge und den Gaumen. Da sind in jedem Falle eine Menge süßliche und fruchtige Noten enthalten. Welche genau, ist echt schwierig herauszuschmecken. Dieses Geschmacksprofil ist fast zu schade zum herunterschlucken, wäre da nicht noch der nächste Schluck… Die Bittere kommt dann im Abgang durch: eine angenehme Bittere, die recht lange anhält aber nicht zu trocken ist.

Fazit

Das “Hopfnung” ist eine äußerst gelungene Interpretation eines American Pale Ale. Die Hopfenaromen und die Bitternoten sind gut ausbalanciert. Wem ein IPA too much ist, findet mit diesem hopfenaromatischen Pale Ale eine sehr gute Alternative.


Die Eckdaten:

Bierstil: American Pale Ale
Hopfen: Citra, Ekuanot, Palisade und Willamette
Bittereinheiten: 45 IBU
Alkoholgehalt: 6,2 % Vol

No. 27: La Blonde, Brasserie de la Tête de chou – Mancy, Frankreich

Wie schön, dass mir meine Tasting-Gäste mitunter äußerst spannende Biere mitbringen. Eines davon ist das “La Blonde” der französischen Craftbier-Schmiede La Tête de chou aus Mancy in der Champagne. Von dieser Brauerei habe ich noch nie gehört, geschweige denn, dass ich mal in der Champagne gewesen bin. Aber schauen wir mal, wie so ein Bier aus der Champagne ist.

Die Brauerei

Mitten in der Champagne umgeben von Weinbergen gibt es seit fast auf den Tag genau zwei Jahren diese kleine Brauerei, die qualitativ hochwertige und handwerklich hergestellte Biere produziert. Dabei setzt man auf lokale und regionale Zutaten. Mitunter die wichtigste Zutat: frisches, kalkhaltiges Quellwasser aus der Umgebung. Die Köpfe hinter der “Kohlkopf-Brauerei” sind der Brauer Benoit und die Geschäftsführerin Ariane. Sie haben mit ihrem Sortiment aus acht verschiedenen Bieren den Geschmacksnerv der biertrinkenden Franzosen in der Region getroffen. Zu dem Sortiment gehören u.a. ein Witbier, ein Brown Ale, ein Amber Ale und ein American Triple. In den ersten vier Monaten in 2018 hat man den Ausstoß gegenüber dem Vorjahr um 50% steigern können. Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden ist die Erweiterung der Brauanlage geplant. Aktuell läuft dafür eine crowd-funding-Kampagne. Also, ein Craftbeer-Hotspot mitten in der Champagne. 

Das Bier

Auf dem Tisch steht eine Flasche “La Blonde”. Mit dem Design des Etiketts ist die Flasche schon mal ein echter Hingucker. Das Etikett gibt zudem einige nützliche Informationen preis: Alkoholgehalt 5,7 Vol. %, 25 IBU, Hopfensorten: Cascade, Perle und Strisselspalt.

Vor dem Öffnen will ich noch mal kurz den Bierstil einordnen. Ein “Blonde” ist nicht etwa vergleichbar mit einem “Hellen”. Es ist ein Blonde Ale, also ein obergäriges, süffiges, hopfenaromatisches und mildes Ale. Ein klassischer Vertreter ist das belgische Blonde Ale.

Das “La Blonde” sieht ganz prächtig aus im Glas. Eine goldgelbe Farbe mit einer leichten Trübung. Dazu eine helle, mäßig ausgeprägte Schaumkrone, die sich schnell verflüchtigt und dann erste fruchtige Aromen und etwas kräuterige Düfte freigibt. Im Antrunk zeigt sich das feinperlige Blonde zunächst von einer leicht säuerlichen Seite. Unter diese zitrus-hopfigen Noten mischen sich ausgeprägte blumige und würzige Noten. Hier zeigen die beiden Aromahopfen Cascade und Strisselspalt ganze Wirkung. Der Strisselspalt ist ein Aromahopfen aus dem Elsaß mit subtilen Gewürznoten, Kräuter- und Blumenaromen sowie dezenten zitrusfruchtigen Nuancen.

Aber was wäre ein Blonde Ale ohne seinen charakteristischen Malzkörper. Der fruchtige und etwas trockene Antrunk wird von einem komplexen und recht kräftigen Malzkörper abgelöst. Dieser macht das Bier im Übergang süßlich und zugleich süffig. Abgerundet wird das Blonde im Abgang von dezenten Bitternoten. Das Blonde hat einen feinen hopfenaromatischen Charakter. Für mich sind die blumigen und würzigen Noten prägend.

Fazit

Ein sehr ausgewogenes Ale, gut ausbalanciert und ein klasse Zusammenspiel der drei Hopfen. Ich würde der Brauerei gerne mal einen Besuch abstatten und auch die anderen Biere testen. Da braut sich was zusammen in der Champagne!

Und Dank an Rainer Kibbel für die beiden Biere: das “La Blonde” und das “La Blanche” – ein frisch-fruchtiges Witbier.


Die Eckdaten:

Bierstil: Blonde Ale
Hopfen: Cascade, Perle und Strisselspalt
Bittereinheiten: 25 IBU
Alkoholgehalt: 5,7 % Vol

No. 26: Cherry Gose Beet, Höppners – Postfeld

Spätsommer, Erntezeit für Kirschen. Das sind doch die passenden Rahmenbedingungen für ein gut gekühltes Bier. Aber nicht für irgendeines sondern für das “Cherry Gose Beet” von Höppners aus Postfeld. Nickels Höppner hat mir neulich eine Flasche zur Verkostung überreicht. Es wird nun also Zeit, die Flasche zu öffnen und das Verkostungsglas aus dem Schrank zu holen. Prost!

Der Braumeister

Hier fasse ich mich kurz, da ich ja auf meinem Blog bereits mit dem Pazifikus Pale oder dem Little Oak über zwei tolle Biere und den Braumeister geschrieben habe. Kurz gesagt: Nickels Höppners ist ein kreativer Brauer aus Postfeld in der Nähe von Kiel, der ausgezeichnete Biere kreiert.

Das Bier

Der Name “Cherry Gose Beet” verrät eigentlich schon das Wesentliche: eine Gose mit Sauerkirschen und Rote Beete. Gose? Ja, das ist auch Bier. Die Gose ist ein alter, deutscher Bierstil, der im Zuge der aufkommenden Einheitspilsener ein wenig in Vergessenheit geraten ist und seit einigen Jahren unter den Craftbier-Brauern seine Renaissance erfährt. Die Gose stammt ursprünglich aus dem Goslarer Raum und hat sich dann bis in die Leipziger Ecke als Leipziger Gose verbreitet. Was ist das Besondere an einer Gose? Es ist ein obergäriges Sauerbier, das mit Salz und Koriander gebraut wird. Die Gose erinnert ein wenig an einer Berliner Weiße, wobei gerade das Salz und der Koriander dem Bierstil eine eigene, besondere Charakteristik verleihen.

Und was macht Nickels Höppner? Er braut eine Gose und packt da noch Sauerkirschen und Rote Beete rein. Das hört sich gewagt und spannend zugleich an. Im Glas dann eine Flüssigkeit, die so rot wie mein Parteibuch ist. Die feinporige, rosafarbene Schaumkrone sieht schön aus, hat aber leider nur eine kurze Beständigkeit. Der erste Gedanke: oh, Erdbeerbrause! Riecht aber nicht so. Eher säuerlich und auch etwas nach Rote Beete. Dieser Eindruck setzt sich auch beim ersten Schluck fort. Die Rote Beete erscheint mir sehr dominant zu sein. Die Sauerkirschen kommen nicht so stark zur Geltung. Sie werden beim zweiten und dritten Schluck dann langsam im Abgang etwas auffälliger. Im Abgang wird es dann auch etwas salzig. Was soll ich sagen? Echt ungewohnt, ganz lecker, aber vermutlich nicht unbedingt etwas für jeden. Man muss da schon ein gewisses Faible für Sauerbiere haben. Es lohnt sich aber in jedem Fall, sich einmal selbst ein Bild von diesem ungewöhnlichen Bier zu machen.

Hut ab!

 

No. 25: Mets, Pöhjala – Tallinn, Estland

Es ist mal wieder an der Zeit für einen verkostungsmäßigen Ausflug nach Estland, genau genommen nach Tallinn zur Pöhjala Brewery. Ich bin bislang recht angetan von estnischen Bieren und habe hier schon Pale Ales von Pöide und von Muddis verkostet. Nun mal ein IPA, Mets – ein Black IPA.

Die Brauerei

Vorab ab einige kurze Infos zur Brauerei. Die Pöhjala Brewery zählt für mich zu den Top-Craftbier-Brauereien Estlands. Die spannenden und teilweise auch durchaus ungewohnten Kreationen sind mir schon in vielen Shops und Bars begegnet. Die Brauerei wurde Ende 2011 von vier Heimbrauern in Tallinn gegründet. Etwas später kam noch ein schottischer Brauer dazu, der bereits mehrere Jahre BrewDog-Erfahrung aufweisen konnte. 2013 kam mit einem Baltic Porter dann das erste Bier auf den Markt. Zunächst war man als Gypsy-Brewer unterwegs und mietete sich in Brauereien ein, bevor dann 2014 mit dem Bau der eigenen Brauerei begonnen wurde. In der Nähe der Brauerei findet sich zudem eine Bar, in der die Biere direkt serviert werden. Die Jungs von Pöhjala tun sich zudem gerne mit befreundeten Brauern zusammen und entwickeln sog. Kollaborations-Sude. Ein Merkmal der Pöhjala-Biere: ein Fokus auf dunklen Bieren und Zutaten, die in den estnischen Wäldern zu finden sind.

Das Bier – “Mets”, A forest-inspired black IPA brewed with hand picked spruce tips und forest blueberries

Die Tage werden kürzer und der Herbst steht vor der Tür. Wettertechnisch kann man sich da durchaus schon mal ein dunkles Bier gönnen. In meinem Bierkeller habe ich dann noch eine Flasche eines Bieres von Pöhjala mit dem Namens “Mets” entdeckt. Das “Mets” hatte ich bei meinem Tasting No. 12 aufgetischt. Tja, seinerzeit wurde die zweite Flasche gar nicht geöffnet. Nun freue ich mich umso mehr, dieses Black IPA mal ein wenig intensiver zu verkosten.

Zunächst ein Blick auf das Etikett, um herauszufinden, was mich erwartet: “A forest-inspired black IPA brewed with hand picked spruce tips and forest blueberries.” Also mal frei übersetzt: ein vom Wald inspiriertes, dunkles IPA mit handverlesenen Fichtenspitzen und Waldheidelbeeren. Ok, das sind sie also die Zutaten aus den estnischen Wäldern. Blaubeeren, ja, das kann ich mir vorstellen, aber Fichtenspitzen?? Dazu dann noch ein Hopfencoktail aus den Sorten Magnum, Amarillo, Columbus, Mosaic und Yellow Sub sowie eine ganze Palette verschiedener Malze, die dem Bier nicht nur die dunkle Farbe sondern auch noch einige Geschmacksnuancen verleihen, aber dazu später mehr. Also, ein spannende Zutatenliste.

Im Glas dann ein dunkelbraunes, fast schwarzes, mäßig karbonisiertes Bier mit einer dunkelbraunen, festen und beständigen Schaumkrone. Die Konsistenz ist leicht cremig. Und wonach riecht dieses Black Ale? Da mischen so unterschiedliche Aromen in der Nase: es hat etwas beeriges, leicht säuerlich-harziges, dazu Kaffee- und Zartbitterschokolade. Vielleicht doch auch irgendwie Wald.

Im Antrunk zunächst eine dezente, zitrusfruchtige Note, die jedoch schnell von den süßlicheren Eindrücken der Blaubeeren abgelöst wird. Ergänzt wird das ganze dann durch wie ich finde etwas harzige Noten. Das mögen die Fichtennadeln sein. Das lässt sich nicht ganz so genau erahnen. Nach den Beeren auf einem süßlichen, karamelligen Malzkörper kommt dann der bittere und röstige Abgang: geschmacklich erinnert mich es an Zartbitterschokolade und Kaffee. Hier zeigen die insgesamt acht verschiedenen Malze ihre ganze Wirkung. Langanhaltend, aber nach den im Antrunk leicht säuerlichen und dann beerigen Fruchtnoten ein nachtischartiger und gelungener Abgang.

Fazit

Das ist mal ein breiter Geschmacksbogen, den die Jungs von Pöhjala in diese Flasche Mets gezaubert haben. Vielseitig und ausgewogen. Es macht Lust auf mehr Biere aus estnischen Wäldern!


Die Eckdaten:

Bierstil: Black IPA
Hopfen: Magnum, Amarillo, Columbus, Mosaic und Yellow Sub
Bittereinheiten: 40 IBU
Alkoholgehalt: 7,0 % Vol


Die Höker:

Gefunden und geshoppt bei