No. 33: The Chameleon, Baltic Brewery – Sörup

Ein neues Bier einer neuen Brauerei: “The Chameleon”, ein Pale Ale der Baltic Brewery aus Sörup, gebraut und abgefüllt bei der Wittorfer Brauerei in Neumünster.

Die Brauerei/Die Braumeister – The Baltic Brewery

Das schönste Bundesland der Welt ist um eine Craftbier-Attraktion reicher: In Sörup – wir Schleswig-Holsteiner wissen, dass dieser Ort irgendwo wischen Flensburg und Eckernförde liegt – tüfteln Paul Alford und Martin Molzen an eigenen, handgemachten Bieren. Ende des vergangenen Jahres haben die beiden mit ihrer Baltic Brewery den ersten Sud abgefüllt und bringen diesen nun unters bier-durstige Volk. Bislang sind die beiden als Gypsy-Brewer unterwegs, das heißt, sie nutzen fremde Brauereien um ihre Sude in einer entsprechenden Menge zu brauen. Für die Zukunft ist aber durchaus einiges geplant: weitere Biere und vielleicht sogar eine eigene Brauerei mit Taproom. Das Motto der beiden: “Crafting great beer locally.”

Das Bier

Nun habe ich “The Chameleon”, das erste Bier dieser noch jungen Brauerei, das bei der Wittorfer Brauerei in Neumünster gebraut wurde, im Glas. Dem Etikett nach “a darker pale ale” mit einem Alkoholgehalt von 6,7 Vol. %. Leider kann ich dem Etikett nicht entnehmen, welche Hopfensorten verwendet wurden. Braumeister Martin hat es mir nach einer kurzen Anfrage schnell verraten: als Bitterhopfen Columbus, Citra und Vic Secret als Aromahopfen, mit dem das Bier “gestopft” wurde. Dazu die drei Malze: Pale Ale, Crystal und Dark Crystal. Es spannende Hopfenkombination, die definitiv neugierig macht. Also schauen wir mal, was dieses Pale Ale so drauf hat.

Das Bier mit seiner brauen Farbe und der überschaubaren Schaumkrone erinnert mich an ein Brown Ale. Ich verweile aber nicht lange beim Betrachten des Bieres. Der fruchtige Duft lenkt ab und baut die Spannung auf den ersten Schluck auf. Im Antrunk wird es fruchtig. Der Geschmack erinnert an mich Ananas und tropische Früchte wie Mango, Passionsfrucht und auch Pfirsich. Dieses fruchtige Hopfenaroma, für das vor allem der australische Aromahopfen Vic Secret verantwortlich ist, wird dann aber schnell abgelöst von einer vollmundigen, würzigen, harzigen und süßlichen Phase. Nach diesem Übergang kommt es dann zu einem IPA-typischen Finish: trocken, mit einer lang anhaltenden Hopfenbittere. Braumeister Martin meint, dass das Chaemleon zwar als Pale Ale deklariert ist, in Wirklichkeit aber ein feines IPA geworden ist. Da ist was dran.

Fazit

“The Chameleon” spannt den Bogen von einem Brown Ale bis hin zu einem IPA. Es ist wandelbar wie ein Chamäleon… Chapeau! Ich bin gespannt auf die nächsten Biere der Baltic Brewery.


Die Eckdaten:

Bierstil: Pale Ale/IPA
Hopfen: Columbus, Citra, Vic Secret
Bittereinheiten: 43
Alkoholgehalt: 6,7 % Vol

No. 29: Wilde Hefen, Branta Brauerei – Niebüll

Eine neue Biergeschichte aus dem hohen Norden mit folgenden Bestandteilen: einem Hobby-Ornithologen, einer Warft und wilden Hefen. Dabei kommt heraus: Branta Brauerei aus Niebüll in Nordfriesland. Eine kleine Heim-Brauerei mit dem speziellen Fokus auf Hefen. Ich habe das “Wilde Hefen”, ein Wild Ale verkostet.

Der Braumeister / Die Brauerei

Nordfriesland, das ist diese Landschaft, in der die wenigen Bäume immer schief sind und man mittags bereits sieht, wer zum Abendessen kommt. Und es ist eine Gegend, die bislang wohl kaum jemand mit Bier in Verbindung bringt. In Nordfriesland gibt es nun aber auf einer Warft direkt hinterm Deich seit diesem Jahr das Ebbüller Brauhaus. Dort werden verschiedene handwerkliche Biere gebraut (leider kenne ich diese noch nicht). In diese Brauerei hat sich Carsten Jepsen eingemietet.

Carsten Jepsen ist der Kopf hinter der Branta Brauerei. Geboren in Niebüll, dann zum Studium quasi in die weite Welt außerhalb Schleswig-Holsteins gezogen, Bier und Brauereien kennengelernt, um dann mit einer fixen Idee an den Heimbraukessel zurückzukehren. Die fixe Idee war nicht nur das Bierbrauen an sich, sondern das Experimentieren mit Hefen. Herausgekommen sind dabei mittlerweile verschiedene, besondere und komplexe Biere, die in kleinen Mengen gebraut werden und nach und nach den Weg in die norddeutsche Craftbier-Szene finden.

Das Bier – “Wilde Hefen”, ein wildes Ale

Als Liebhaber hopfenbetonter Biere wage ich mich nun an eines, bei dem nicht der Hopfen oder das Malz sondern die Hefe den Ton angeben. Für seine “helle, obergärige Bierspezialität” verwendet Carsten Brettanomyces-Hefen und eigene, wilde, obergärige Haushefen auf Basis eines Brettanomyces-Stamms. Diese dann für 2 Monate gemischt gegoren. Flaschengärung, Nachgärung und weiteres Reifen der Hefen verändern das Aroma der Hefen und damit das des Bieres dann weiter.

Schon beim Einschenken des Bieres aus dieser 0,375 Liter Flasche zeigt sich die Wirkung der Hefen. Das ist man ordentlich karbonisiert und ganz schön sprudelig, dieses hellgelbe, naturtrübe Bier mit seiner weißen, kurz beständigen Schaumkrone. Vom Geruch her erinnert es mich an ein Saison: etwas säuerlich und grasig. Spannend wird es dann beim ersten Schluck: der säuerliche Charakter entwickelt sich schnell einem fruchtigen Aromakomplex, der sowohl leicht süßliche, bananige Elemente als auch fruchtig-zitronige Noten hat. Ich bin wirklich beeindruckt, was sich aus diesen Hefen zaubern lässt. Das ist ein äußerst leckeres, erfrischendes Sommerbier – auch mit einem Alkoholgehalt von 6,0 Vol. %. Ich habe nur einen Fehler gemacht: Ich habe das Bier bei Schietwetter im Herbst getrunken.

Für eine Flasche “Wilde Hefen” musste ich mich nicht mal auf den Weg nach Nordfriesland machen, sondern konnte diese im weltbesten Bierladen Brewcomer beziehen.

Fazit

Branta Brauerei – das ist ein weiterer Hot-Spot in der Craftbier-Landschaft. Wilde Hefen hinterm Deich bei salzhaltiger Luft scheint ne irre Kombination zu sein. Das “Wilde Hefen” hat es in sich. Kompliment an Carsten Jepsen!

 

 

 

 

 

Neues von Czernys: das Ariana Sommer Pale Ale und ein Ausschank am Strand

Czernys Ausschank

Der Falckensteiner Strand ist um eine gastronomische Attraktion reicher: direkt neben der Deichperle gibt es nun einen kleinen, aber feinen Ausschankraum der Czernys Küstenbrauerei. Geöffnet hat der Ausschank am Wochenende. Jan und Jasmin bieten dann unweit ihrer Brauerei in der Festung Friedrichsort eine Auswahl ihrer Biere frisch vom Fass an. Das kann sich sehen lassen! Zum Eröffnungsabend des neuen Ausschanks habe ich dort vorbeigeschaut. Czernys und die Deichperle scheinen sich prima zu ergänzen. Die Deichperle sorgen für strandtypisches Essen wie Burger und Pommes und nebenan gibt es dann nun mal endlich richtig gutes Bier am Strand.

Das Ariana Sommer Pale Ale

Und von diesen Vier richtig guten Bieren, die es an dem Abend frisch vom Fass gab, habe ich mich – passend zum Wetter – für das Ariana Sommer Pale Ale entschieden. Dieses leicht trübe, goldgelbe Pale Ale mit der Förde im Hintergrund ist schon eine Augenweide. Jan hat dieses Pale Ale mit dem Ariana-Hopfen gebraut, also ein single-hopped Pale Ale. Der Geruch ist wenig intensiv. Es riecht etwas harzig und nach Getreide. Der erstes Schluck dieses leichten und schlanken Ales beginnt dann auch mit diesen dezenten harzigen und floralen Noten. Beim zweiten Schluck wird es fruchtiger. Der Ariana-Hopfen mit seinen unterschiedlichen fruchtigen Noten kommt dann zur Geltung und entfaltet sich im Abgang. Er verleiht dem Ale dabei aber sehr feine, fruchtige Aromen und trägt nicht zu dick auf. Insgesamt ein leichtes und erfrischendes Ale, dass geringe Bitternoten aufweist. Mit seinem Alkoholgehalt von 4,0 Vol. % passt es perfekt zu einem Strandtag. Als Experimental Sud No. 24 gibt es das Summer Ale auch in der Bügelflasche im örtlichen Fachhandel, u.a. bei Brewcomer.

No. 15: Kena Island Ale, Pöide Brewery – Estland

Mit dem Kena Island Ale der Pöide Brewery stelle ich ein weiteres estnisches Craftbeer vor. Ich bin zwar noch nie in Estland gewesen, verfüge aber über verlässliche Lieferanten 😉 Aus Estland habe ich bereits Muddis Golden Ale verkostet.

Die Brauerei

Bierbrauen hat in Estland und insbesondere auf der Insel Saaremaa eine lange Tradition. Diese Tradition greift die kleine Pöide Brauerei, benannt nach dem Ort Pöide, auf. Koit und Kristel gingen 2013 an den Start. Bereits nach kurzer Zeit platzte die Brauerei, eine Scheune, aus allen Nähten und ein Umzug war erforderlich. Die neue Braustätte konnte dann in der Inselhauptstadt in einem alten Industriegebäude eingerichtet werden. Dort werden mittlerweile unterschiedlichste Bierstile gebraut, darunter ein Roggen Ale, ein Imperial Brown Ale oder ach ein Wiener Lager. Das ist ein ganz spannendes Sortiment.

Das Bier

Pöide – Kena Island Ale

Das Kena wird als Island Ale bezeichnet, einigen wir uns also auf ein Ale. Das Design des Etiketts hat irgendwie etwas leicht altertümliches und ist bewusst schief aufgebracht. Sieht ganz gut aus.

Für ein Ale finde ich dieses goldgelbe Bier recht klar, es weist nur eine schwache Trübung auf. Die Schaumkrone ist mittelprächtig ausgeprägt und von kurzer Dauer. Fruchtige Aromen, die für meinen Geschmack an Pfirsich oder auch Melone erinnern, machen sich beim Geruch bemerkbar. Das ist schon mal ein guter Start. Im Antrunk ist das Ale dann erstaunlich süßlich und malzbetont. Mir fehlt es hier aber dann doch etwas an Kohlensäure. Auf diesen Malzkörper sind dann die fruchtigen Hopfenaromen gebettet, die dem Ale eine markante Fruchtnote geben. Diese Kombination aus Fruchtaromen und dem süßlichen, karamelligen Malzkörper harmoniert prächtig. Zum Abschluss kommen dann dezente Bitternoten zum Vorschein und runden das Ale ab.

Fazit

Das Kena Island Ale hat was. Fruchtige Aromen treffen auf einen süßlichen Malzkörper.


Die Eckdaten:

Bierstil: Ale
Hopfen: Simcoe, Citra und Aurora
Bittereinheiten: 25 IBU
Alkoholgehalt: 5,2 % Vol


Die Höker:

Tja, das Kena gibt es mit Sicherheit irgendwo in Estland zu laufen. Hier in Deutschland habe ich es bislang in keinem Laden gesehen. Also ab nach Estland oder online sein Glück versuchen.

No. 13: Muddis Golden Ale, Muddis Brewery – Estland

Heute verkoste ich ein Mitbringsel, das Golden Ale der Muddis Brewery aus Estland. Meine Begeisterung für Craftbeer hat sich mittlerweile bei Freunden und Verwandten herumgesprochen, so dass ich häufiger mit tollen Bieren als Mitbringseln von Urlauben oder Geschäftsreisen überrascht werde. Danke dafür!

Die Brauerei und der Braumeister

Von einer Geschäftsreise nach Tallin hat mein Bruder mir dieses Golden Ale der Muddis Brewery aus Estland mitgebracht. Muddis hat nichts mit dem Muddi Markt auf der Kieler Woche zu tun. Es ist eine alte Brauerei, deren Geschichte bis in das 17. Jahrhundert zurück geht. Im Jahr 2014 wurde sie dann von dem Braumeister Marius Vahur als Craftbeer-Brauerei wieder zum Leben erweckt. Mittlerweile brauen Muddis’ Jungs unterschiedliche Bierstile wie Pils, Bock, Saison – alle unfiltriert und unter Verwendung des Wassers aus einem Wasserschutzgebiet in Estland.

Das Bier
So viel zur Vorgeschichte. Kommen wir nun zum Bier selber, einem Golden Ale:

Deutlich im Foto ist die mächtige Schaumkrone zu sehen. Ich hatte lange kein Bier, was derart schäumte. Nachteil, es dauert mit de Eingießen und dem ersten Schluck länger. Dafür bleibt aber mehr Zeit das Bier zu betrachten: schöne goldene Farbe mit einer kräftigen Trübung. Nachdem der Schaum dann verflogen ist, macht sich der Geruch der Hefenoten bemerkbar: leicht bananig, an ein Weizen oder White Ale erinnernd. Mit dem ersten Schluck verdrängt der Malzkörper mit feinen Karamellnoten die Hefenoten. Im Abgang kommen dann dezent und den Malz- und Hefenoten untergeordnet die Hopfen Summit und Summer zu Vorschein.

Fazit:

Unterm Strich ein süffiges Sommerbier, das irgendwo zwischen White Ale, Saison und Pale Ale pendelt. Von der Schaumkrone nicht abschrecken lassen.

Empfehlung: bei einem Estland-Besuch unbedingt auch die anderen Biere von Muddis austesten!

Die Eckdaten:

Bierstil: Golden Ale
Hopfen: Summit, Summer
Bittereinheiten: 18 IBU
Alkoholgehalt: 5,2 % Vol.


 

No. 12: Pazifikus Pale, Höppners – Postfeld

Mit einem Bier von Höppners begann mein Einstieg in die Welt der Craftbiere. Mein erstes Tasting bei Brewcomer wurde mit Höppners “Lieblingssaison” eröffnet. Ein Bier, das von dem Verkoster hoch gelobt wurde und an dem auch ich Gefallen gefunden habe. Seitdem bin ich immer wieder gespannt auf neue Kreationen der kleinen Brauerei aus Postfeld in Schleswig-Holstein. Postfeld, das ist so ein kleines Dorf an der B 404 zwischen Kiel und Bad Segeberg. Dort treibt Braumeister Nickels Höppner sein Unwesen und zaubert auf dem elterlichen Hof verschiedene Kreativbiere zusammen. Wenn der Testsud dann ausgereift ist, geht es zum Brauen nach Grönwohld, etwa 70km entlang der B404 nach Süden.

Seit einigen Monaten ist nun Höppners Pazifikus Pale in den gut sortierten Bierregalen im Norden zu finden. Mal so vorab: das Etikett ist echt ein Hingucker. Der Ausschnitt einer Weltkarte mit dem Pazifik ziert die Flaschen. Das Etikett ist Programm. Für dieses Pale Ale wurden vier Hopfensorten von der amerikanischen und tasmanischen Pazifikküste verwendet.

Nicht nur die Flasche ist ein Hingucker. Auch das Bier im Glas. Kräftige Bernsteinfarbe,mit einem stabilen, ganz leicht cremigen Schaum. Und was machen die vier Hopfen: sie verspüren schon vor dem ersten Schluck die für die vier verwendeten Hopfensorten Amarillo, Cascade, Galaxy und Simcoe typischen Fruchtnoten, die mich stark an einen Cocktail aus Pfirsich, Melone und Zitrusfrüchten erinnern. Im Antrunk kommen diese fruchtigen Aromen gut zur Geltung und werden dann von den Bitternoten abgelöst. Die Bittere ist kräftig, aber nicht zu aufdringlich. Der Aroma-Part der Hopfen überwiegt. Schließlich bilden die Malze einen süßlichen, karamelligen Abschluss. Insgesamt ist das Pazifikus Pale rund und ausgewogen. Für mich ein prima Feierabendbier. Und wieder einmal etwas richtig Gutes aus Höppners Braukessel.

Fazit:

Schönes Zusammenspiel von vier Hopfen-Klassikern. Hohe Drinkabality!


Die Eckdaten:

Bierstil: Pale Ale
Hopfen: Amarillo, Cascade, Galaxy, Simcoe
Bittereinheiten: 35 IBU
Alkoholgehalt: 5,6 % Vol.


Die Höker:

Das „Pazifikus Pale“ gibt es bei:

  • Brewcomer, Kiel
  • Markttreff Barkauer Land, Kirchbarkau

 

No. 11: WildHopp, Wildwuchs Brauwerk/Hopper Bräu – Hamburg

Es ist mal wieder an der Zeit ein Bier aus Hamburg, der heimlichen Craftbeer-Hauptstadt in Deutschland, vorzustellen. Verkostet habe ich das “WildHopp”, ein Kollaborationsbräu der beiden Hamburger Brauereien Wildwuchs Brauwerk und Hopper Bräu.

Entdeckt habe ich dieses Frischhopfen-Ale auf den Kieler Craft Bier Days 2017 und habe es am Wildwuchs Stand als Restbestand auf Empfehlung des Wildwuchs-Braumeister Fiete erworben. Fiete, das ist Friedrich Carl Richard Matthies, aus Hamburg-Finkenwerder. Seit 2014 ist Fiete mit Wildwuchs Brauwerk am Markt. Gebraut wird in Bleckede an der Elbe  – noch. Am späten Abend auf den Kieler Craft Bier Days berichtete Fiete – feiner Kerl und tolle Biere – von seinen Plänen, einen Braustätte direkt in Hamburg aufzuziehen. Eine Braustätte mitten in Hamburg-Altona das gibt es schon bei Hopper Bräu. Hopper Bräu – das ist Sascha Bruns mit seinem Team. Die Jungs haben sich mit zahlreichen spannenden Kreationen einen Namen gemacht.

Aber nun zu dem WildHopp:

Das WildHopp ist ein Frischhopfen-Ale. Ein Frischhopfen-Ale an sich ist schon eine tolle Sache. Der frisch geerntete Hopfen kommt direkt in den Sud. Das WildHopp setzt einen drauf: es wurden Hopfen, der in Hamburg angebaut wird, verwendet.

Im Glas angekommen, ist die Blume gleich weg. Es erinnert im Glas stark an ein englisches Ale im Pub: kaum Schaum, wenig Kohlensäure. Die Farbe ist goldgelb mit einer feinen Trübung. Dafür machen sich die sehr fruchtigen Hopfenaromen mit Orangennoten beim Geruch bemerkbar. Kräftige, fruchtige Hopfennoten werden kombiniert mit weichen, leichten Malznoten und machen dieses Frischhopfen-Ale zu einem süffigen Sommerbier. Ich muss sagen, da haben die beiden Braumeister etwas richtig gutes kreiert. Man darf auf die nächste Hopfenernte gespannt sein.

 

 

No. 6: Ale Primeur, Von Freude – Hamburg

Hamburg ist weitaus mehr als Astra und Holsten. In den vergangenen Jahren haben sich in der Hansestadt mehrere tolle Craftbeer-Brauereien etabliert. Mein erstes Hamburger Craftbier war im vergangenen Jahr eines der Mikrobrauerei “Von Freude“. Mit einem “Von Freunde”-Bier mache ich daher den Anfang bei der Vorstellung Hamburger Kreativbiere.

“Von Freude”, das sind Martin Schupeta und Natalie Warneke, sozusagen zwei Quereinsteiger, die ihre Bürojobs hingeschmissen haben, um Bier zu brauen. Das erste Bier kam bereits 2013 auf den Markt. Mittlerweile ist “Von Freude” in der norddeutschen Craftbeer-Landschaft nicht mehr wegzudenken. “Von Freude” kreieren verschiedene Bierstile mit frischen und natürlichen Zutaten, dabei werden die Hopfen- und Malzsorten speziell ausgewählt und aufeinander abgestimmt. Der Auftrag ist klar: die Geschmacksnerven fordern und die Massenbierhaltung stoppen!

Aus dem Sortiment von “Von Freude” ist heute ist das “Ale Primeur” an der Reihe, ein Pale Ale mit einem Alkoholgehalt von 5,8 % Vol. und 35 Bittereinheiten (IBU). Gebraut ist dieses Pale Ale mit dem amerikanischen Amarillo-Hopfen, ein Hopfen der zugleich starke Bitternoten als auch ausdrucksvolle fruchtig-blumige Aromen hervorruft, und dem deutschen Hopfen Spalter Select.

Von Freude – Ale Primeur

Im Glas kommt das “Ale Primeur” mit einer kräftigen, klaren Bernsteinfarbe und ordentlichen Schaumkrone daher. Schon beim ersten Schluck umspült das volle Aroma des deutsch-amerikanischen Hopfenduetts den Gaumen. Die frischen Fruchtnoten, die mich tendenziell an Melone und Pfirsich erinnern, werden ergänzt von einer angenehmen und nicht zu starken Bittere. Die Basis bildet ein voller, karamelliger Malzkörper mit einer feinen Süße.

Fazit:

Ein äußerst harmonisches und perfekt abgestimmtes Pale Ale. Unbedingt ausprobieren!


Die Eckdaten:

Bierstil: Pale Ale
Hopfen: Amarillo, Spalter Select
Bittereinheiten: 35 IBU
Alkoholgehalt: 5,8 % Vol.


Die Höker:

Das Von Freude Ale Primeur habe ich gesehen und gekauft bei:

No. 2 – 4: Eine kleine Ale-Serie im Brauhaus Lemke, Berlin

Berlin ohne Craft-Beer ist wie Berlin ohne Currywurst! Die Frage ist nur, wo geht es hin? Denn schließlich gibt es in Berlin mittlerweile zahlreiche Kreativbier-Brauereien (Biere sind mir u.a. von Berliner Berg, Heidenpeters und Vagabund bekannt) und unzählige Craftbier-Kneipen. Ich hatte von der Brauerei Lemke bei meinem ersten Tasting bei Brewcomer positiv die Hopfen-Weiße, ein Weizenbock-IPA, in Erinnerung. Also, wollen wir mal schauen, was die Jungs von der ältesten Berlin Craftbier-Brauerei Berlins – Oli Lemke startete bereits 1999 – sonst noch so auf Lager bzw. am Zapfhahn haben. Zentral gelegen am Hakeschen Markt habe ich mich dort mit einem Bekannten getroffen. Beim Blick auf die Karte der lemkeschen Bierkreationen viel es zunächst schwer.

Brauhaus Lemke, Bierkarte

Da es ein kurzer Abend werden sollte, kam die Idee nach der Verkostung einer kleinen Ale-Serie: zunächst das 030 Berlin Pale Ale (No. 2), dann das India Pale Ale (No. 3) und zum Abschluss ein Imperial IPA (No. 4).

Wir starten mit einem leichten Pale Ale, dem 030 Berlin Pale Ale. Die Karte verrät uns immerhin 30 Bittereinheiten (IBU) und 5% Vol. Dann steht ein recht helles Bier mit mäßiger Schaumkrone auf dem Tisch. Schon beim ersten, feinperligen Schluck kommen sehr fruchtige Hopfenaromen durch, die uns an Mango aber auch Zitrusfrüchte erinnern. Ich tippe auf den Cascade-Hopfen. Im Abgang ist es sehr leicht. Der Malzkörper erscheint mir recht schlank. Ein guter Start, aber für meinen Geschmack etwas zu schwach auf der Brust.

Lemke – 030 Berlin Pale Ale

Aber wir können uns ja noch steigern und bestellen das India Pale Ale mit seinen 60 Bittereinheiten (IBU) und einem Alkoholgehalt von 6,5%. Zack, da isses! Bernsteinfarben, sogar leicht rötlich meint mein Bekannter. Wir sind uns nicht ganz sicher in dem recht dämmerigen Licht und stoßen an. Schon im Antrunk umspült das sehr fruchtige und zugleich deutliche herbere und bittere Hopfenaroma unsere Gaumen. Wow! Gleich noch ein Schluck. Spritzig, ja malziger. Und der Hopfen deutlich anhaltender im Geschmack und bitterer, bestimmt doppeltgehopft, vermutlich Casacade und … keine Ahnung. Aber wir finden das IPA angenehm abgerundet und ausgewogen in den Fruchtnoten und der Bitterkeit. Richtig jut!

Lemke – India Pale Ale

Und zum Abschluss das Imperial IPA mit seinen 70 Bittereinheiten und 11 % im 0,2 l Glas. Wir wundern uns nur kurz über ein 0,3 l Glas. Nehmen einen ersten Schluck und fangen an zu fachsimpeln. Beim zweiten Schluck stellen wir fest, dass es doch wohl nicht das Imperial IPA ist sondern wieder das IPA von eben. Also zurück und noch mal neu. Dann wird uns noch etwas dunkleres und trüberes Bier mit festerem Schaum serviert. Die Bitternoten des Hopfens übersteigen nun die Fruchtaromen, die zunächst im Antrunk präsent sind und zusätzlich von einem süßliche Malzaroma ergänzt werden, dann aber von den langanhaltenden Bitternoten abgelöst werden. Auch nicht schlecht diese Komposition!

Lemke – Imperial IPA

Das waren nun unsere persönlichen Geschmackserlebnisse. Wie das Brauhaus Lemke nun selber diese drei Kreationen, die bereits mehrere Auszeichnungen erhalten haben, darstellt, könnt ihr hier nachlesen. Meine Vermutung mit dem Cascade-Hopfen war schon mal ganz gut.

Bleibt nur die Frage, warum ich anstelle einer Curry-Wurst einen Salat gegessen habe…

No. 1: Huh! – Icelandic Arctic Pale Ale, Einstök Ölgerd – Akureyri, Island

Seit der Fußball-EM im Sommer 2016 wissen wir, dass die Isländer richtig gut Fußball spielen können. Aber auch Bier brauen? Na klar.

In der kleinen Fischerstadt Akureyri, immerhin die größte Stadt außerhalb des Ballungsraumes Reykjavik, nur wenige Meilen südlich des Polarkreises gibt es die Einstök Brauerei. Passend zu den derzeit frostigen Temperaturen hier im Kieler Raum habe ich mir kürzlich das Icelandic Arctic Pale Ale der Brauerei Einstök aus Island aufgemacht.

Schon beim Öffnen und Eingießen kommen mir leichte Hopfennoten entgegen und machen Lust auf mehr. Im Glas eingegossen zeigt sich ein Pale Ale mit einer goldbraunen Farbe, die bei mir Assoziationen an Karamel und Toffee hervorrufen. Beim ersten Schluck kommen die leicht süßlichen Malzaromen des feinperligen, mit isländischem Gletscherwasser gebrauten Ales zur Geltung und werden dann von den beiden Hopfensorten Northern Brewer und Cascade eingerahmt. Der amerikanische Cascade Hopfen ist verantwortlich für die fruchtige Note dieses Ales, während der Northern Brewer, ein englischer Bitterhopfen, die angenehme und zurückhaltende Bitterkeit hervorbringt. Immerhin kommt das Arctic Pale Ale mit 33 Bittereinheiten (IBU) daher. Im Ergebnis sind die malzige Süße und die Bitterkeit des Hopfens angenehm ausgewogen, ideal abgestimmt und bringen ein feines Toffee-Aroma mit sich.

Bei einem meiner ersten Tastings hat dieses Pale Ale die Teilnehmer am meisten überzeugt (was zugegebenermaßen aber auch damit zusammenhängt, dass Tasting-Teilnehmer mit wenig Craftbeer-Erfahrungen geschmacksintensiven und stark gehopften Bieren zunächst sehr zurückhaltend gegenüberstehen). Rundherum ein klasse Pale Ale. Mir schmeckt es! Prost!

Fazit:

Das Einstök Icelandic Arctic Pale Ale ist aus meiner Sicht ein ideales Bier für den Einstieg in die Craftbeer-Welt, nicht zu bitter und angenehm süß.


Die Eckdaten:

 

Bierstil: Pale Ale

Hopfen: Cascade, Northern Brewer

Bittereinheiten: 33 IBU

Alkoholgehalt: 5,6 % Vol.


Die Höker:

Das Einstök Icelandic Arctic Pale Ale habe ich gesehen und gekauft bei: