No. 37: Der Bube, Schwarzwaldflair – Wutöschingen

“Der Bube”, ein Badisch Pale Ale, habe ich mir von den Kieler Craft Beer Days 2019 mitgebracht und dann mal für euch verkostet.

Der Braumeister

Auf den Kieler Craft Beer Days ist mir der kleine, aber feine Stand von Schwarzwaldflair aufgefallen. Das Spannende an derartigen Veranstaltungen ist ja auch, neue Brauer und Biere kennenzulernen. Schwarzwaldflair, da hatte ich noch nichts von gehört. Also eine gute Gelegenheit, hier einen Stopp mit Trinkprobe einzulegen. Mit dem Braumeister Alexander Wagner bin ich schnell ins Gespräch gekommen. Er kommt eigentlich eher vom Wein, was an der Visitenkarte , die ihn als Sommelier und Geschäftsführer von www.dein-weinladen.com ausweist, deutlich wird. Seine Idee: Craft-Bier in einer Weinregion und das südlichste Craft-Bier Deutschlands brauen. Südlicher als Freiburg, dem südwestdeutschen Craft-Bier-Mekka mit Vertretern wie dem “Braukollektiv“, “Emma – Biere ohne Bart” oder auch “Die Brauhandwerker“. Dazu muss man mal Wutöschingen verorten. Das ist da irgendwo an der Grenze zur Schweiz in der Nähe von Schaffhausen.

Also gesagt, getan. Alex hat sich daran gemacht, mit einer badischen Interpretation eines Pale Ale erstmal vor Ort den Bier- und Weinmarkt aufzumischen.

Das Bier

Am Stand von Alex und seiner Freundin gibt es nur dieses eine Bier – “Der Bube” ein badisches Pale Ale. Rein äußerlich fällt folgende Besonderheit auf: es gibt die Flasche in den vier Farben eines Skatspiels: Bube, Pike, Herz und Dame. Das ist aber nur das Etikett, geschmacklich gibt es keine Unterschiede.

“Der Bube” wurde mit frischem Quellwasser aus dem Südschwarzwald, Cascade-Hopfen und Carahell-Malz eingebraut. Der Hopfen wurde dem Pale Ale als Kalthopfung dazugegeben.

Ein Pale Ale mit Cascade-Hopfen, da erwartet man eigentlich ein recht fruchtiges Pale Ale, das fast schon Anklänge eines IPA hat. Ist doch der Cascade-Hopfen eine Aromahopfen-Sorte, die häufig für IPAs verwendet wird.

Das frische und fruchtige Hopfenaroma mit Noten von Zitrusfrüchten schmeckt man kurz im Antrunk. Es wird dann abgelöst von dem Merkmal dieses Pale Ale: an die fruchtigen Aromen schließen sich rauchige Noten an. Diese sind insgesamt zwar recht dezent, verleihen dem Pale Ale aber seinen besonderen Charakter. Im Finish kommt wird es süßlicher und etwas bitterer. Die Bittere ist angenehm und führt zur einer leichten Trockenheit im Gaumen.

Fazit

Milde Bittere trifft auf einen Mix aus fruchtig-rauchigen Aromen. Man darf gespannt sein, welche Bierstile sich dann hinter den anderen Spielkarten wie Dame, König, Ass verbergen.

Eckdaten:

Bierstil: Pale Ale
Hopfen: Cascade
Bittereinheiten: 30 IBU
Alkoholgehalt: 5,5 % Vol.

No. 36: Goldgräber, Landgang Brauerei – Hamburg

Ganz frisch aus dem Sudkessel in Hamburg-Altona abgefüllt: “Goldgräber”, ein Pale Ale. Das ideale Bier für einen warmen Frühlingstag. Und heute bei mir im Verkostungsglas.

Die Brauerei/Der Braumeister

Ich fasse mich hierzu an dieser Stelle kurz. Mit dem Barley Wine “hop the barrel” und dem Frischhopfen-Pale Ale “Hopfnung” habe ich bereits zwei Biere von der Landgang Brauerei verkostet. Mehr über die Brauerei könnt ihr in diesen Blogbeiträgen lesen.

Das Bier

Ein Pale Ale fehlte bislang im Standardsortiment von Landgang. Mit dem “Goldgräber” wurde die “Tap-List” nun um ein hervorragendes Pale Ale bereichert.

Eingebraut wurden dieses goldgelbe und leicht trübe Pale Ale mit den amerikanischen Aromahopfen Simcoe und Amarillo. Für ein Pale Ale durchaus gängige Hopfensorten.

Was fällt beim Einschenken und dem ersten Riechen auf? Es dauert eine Weile bis die helle, feinporige Schaumkrone die fruchtigen und harzigen Hopfenaromen freigibt. Nachdem sich die Schaumkrone verflüchtigt hat, werden dieses Aromen intensiver. Im Antrunk kommt der “Goldgräber” mit einem Hauch zitrusfruchtiger Aromen daher, die dann abgelöst werden von Geschmackserlebnissen, die eher an süße Früchte wie Pfirsich oder Aprikosen erinnern. Die süßen Nuancen verstärken sich dann in dem süßlichen und smoothigen Finish, in dem auch eine länger anhaltende, moderate Bittere seine Spuren hinterlässt. Hier zeigt der Simcoe-Hopfen mit seinem Alphasäure-Anteil von über 13% ganze Wirkung.

Fazit

Das “Goldgräber”-Pale Ale von Landgang schlägt den Bogen von zitrusfruchtigen, harzigen Hopfenaromen über süßlichen Noten bis hin zu einem bitteren Ausklang. Das Ganze harmonisch und gut ausbalanciert, was im Ergebnis zu einer hohen Drinkability führt. Zu gut deutsch: das kann man gut trinken. Also, Cheers und Ahoi!

Die Eckdaten:

Bierstil: Pale Ale
Hopfen: Amarillo, Simcoe
Bittereinheiten: k.A.
Alkoholgehalt: 5,2 % Vol.

No. 35: Scottish Strong Ale, Smedsbo Slott – Schweden

Auf den Kieler Craft Beer Days 2018 hat mir Pär von Smedsbo Slott ein Scottish Strong Ale zum Verkosten überreicht. Rechtzeitig vor den nächsten Kieler Craft Beer Days, die am 3. und 4. Mai 2019 wie gewohnt in der Halle 400 in Kiel stattfinden, ist es an der Zeit, dieses Bier vorzustellen.

Die Brauerei/Der Braumeister

Der norddeutschen, zumindest der Kieler Craft Beer-Szene dürfte Smedsbo Slott ein Begriff sein. Das ist dieser verrückte, schon etwas älterer Brauer aus einem Wald Mitten in Schweden, der bereits 2mal in Folge den Publikumspreis bei den Kieler Craft Beer Days abgeräumt hat. Sein Metier sind belgische Bierstile, die er gekonnt interpretiert. Mehr über Smedsbo Slott könnt ihr auch hier nachlesen.

Das Bier – Scottish Strong Ale

Das Etikett weist ein Scottish Strong Ale aus – also ein starkes, schottisches Ale. Gebraut bzw. abgefüllt wurde das Ale wohl im Februar 2018. Da es sich um ein Ale mit einem hohen Alkoholgehalt handelt – ich schätze mal so 8-10 Vol. % – kann ich es nun, im März 2019 gut trinken.

Ich öffne die Flasche und schenke mir das Ale ein: nahezu kein Schaum, eine dunkle, bräunliche Farbe und dieser für Biere mit einem hohen Alkoholgehalt typische Geruch. Bis da wirkt das Bier recht eindimensional. Beim ersten Schluck wird es anders: auf einen intensiven Geschmacksritt von Dörrobst und Pflaumen, folgen süßliche und leicht torfige Noten, die ein wenig an Whisky erinnern, Im Abgang kommt eine länger anhaltende, angenehme Bittere durch. Nach dem zweiten Schluck habe ich bereits einen im Tee. Das ist hartes, aber sehr leckeres Zeugs.

Fazit

Ein durchaus nicht uninteressantes und gut austariertes Strong Ale, das sich irgendwo zwischen einem Quadrupel und einem Barley Wine einfindet. Ein Bier für besondere Momente. Passt zu Tom Waits.

No. 34: Kupper Weet’n, Südtondern Brauerei – Niebüll

Vor kurzem habe ich Maik und Gerd Neumann von der Südtondern Brauerei in Niebüll besucht. Aus dem Sortiment dieser jungen Brauerei stelle ich euch das “Kupper Weet’n”, ein dunkles Weizen, vor.

Die Brauerei/Der Braumeister

Eigentlich bin ich neulich rein dienstlich in Niebüll gewesen, um mich mit meinem früheren Kollegen Gerd Neumann zu treffen und über ÖPNV-Themen zu sprechen. Als wir diesen Termin im vergangenen Jahr ausgemacht haben, erwähnt er beiläufig, dass er mit seinem Sohn nun auch eine kleine Brauerei betreibt. Hach, endlich mal ÖPNV und Craftbier in einem. Also ging es im Anschluss zu unserem Termin noch zu seinem Sohn in die Brauerei.

Die Südtondern Brauerei ist seit dem Herbst 2018 quasi als gemeinsames Vater-Sohn-Projekt in Niebüll beheimatet. Die Rolle von Vater Gerd ist hauptsächlich der Vertrieb. Sohn Maik, hauptberuflich in der Milchwirtschaft o.ä. tätig, ist für das Brauen zuständig. Nachdem Maik mehrere Jahre lang als klassischer Heimbrauer kleine Mengen gebraut hat, war es im Herbst 2018 so weit: nachdem man im Gewerbegebiet in Niebüll eine geeignete Halle gefunden hat, werden seitdem die Biere der Südtondern Brauerei in größeren Mengen vor Ort in Niebüll gebraut und abgefüllt. Die beiden haben relativ schnell den regionalen Markt erschlossen. Die handgemachten Biere finden sich bereits in den örtlichen Supermärkten und auch in einigen Hotels. Kürzlich wurde die Brauanlage auf eine 1.000 l-Anlage erweitert.

Zu dem Sortiment gehören aktuell folgende Biere:

  • Lüddsche Een – Pilsener
  • Nr. Een – Pale Ale
  • Kiek An – Brown Ale
  • Ebb un Flot – IPA
  • Helle Weet’n – helles Weizen
  • Kupper Weet’n – dunkles Weizen

Sowohl bei Urlaubern als auch bei der einheimischen Bevölkerung kommen diese handgemachten Biere, die allesamt sehr gut trinkbar sind, hervorragend an. Auch wenn diese Biere keine Hopfenbomben oder total freakige NEIPAs sind, gelingt es Maik und Gerd, mit diesen Bieren eine breitere Masse zu erreichen und handwerklich hergestelltes Bier an den Mann zu bringen.

Das Bier – Kupper Weet’n

Ok, ich wiederhole mich vermutlich: Weizen war und ist nicht so mein Bierstil. Dennoch habe ich mir von der Südtondern Brauerei das “Kupper Weet’n”, ein dunkles Weizen, zum Verkosten ausgesucht. Warum das? Das Besondere daran ist das Besondere darin: ein Hauch getorftes und geräuchertes Whiskymalz.

Schon beim Einschenken dieses kupferfarbenen Weizenbieres kommen leicht torfige Whiskyaromen zum Vorschein. Das riecht ganz angenehm nach einem Coktail aus Whisky und Weißbier. Nachdem sich die feinproge und stark ausgeprägte Schaumkrone verflüchtigt hat, wage ich einen ersten Schluck. Ich finde es im Antrunk etwas süßlich, mag an den Karamellmalzen liegen. Dann wird es ein Spur weizentypischer mit so ein wenig Nelkenaromen. Das Finish hat es dann für mich in sich: es wird ganz leicht rauchig und torftig. Dabei ist dieses schlanke Weizen angenehm weich. Was mir an diesem Weizen gefällt: keine Bananenaromen, nur ein wenig Nelke und dafür diese torfige, rauchigen Noten im Abgang. Das hat was.

Das “Kupper Weet’n” ist mal ein Bier, bei dem der Geschmack in erster Linie von den verwendeten Malzen bestimmt wird. Der Hallertauer Hopfen rundet das Bier ab. Was braucht dieses Bier außerdem: eine obergärige Reifung für 3-4 Wochen.

Fazit

Eine gelungene Kombi: Weizenbier mit Whiskymalz.


Die Eckdaten:

Bierstil: Weizen
Hopfen: Hallertau
Malze: Karamellmalz, Whiskymalz
Alkoholgehalt: 5,8 % Vol


Die Höker

Im Raum Kiel gibt es die Biere leider noch nicht. Lars von Brewcomer habe ich zumindest schon mal ein Probierpaket vorbeigebracht. Und im Gutenberg habe ich auch eine Flasche abgeliefert. Also, warten wir mal ab…

No. 31: Mexican Standoff Stout, Freigeist / Emma / Braukollektiv – Freiburg

In der Vorweihnachts- und der Weihnachtszeit füllen sich die Bierregale mit sogenannten Weihnachtsbieren. Ich habe mit dem Mexican Standoff Stout, das als Kollaborationsbräu der drei Brauereien Freigast, Emma und Braukolletiv aus Freiburg entstanden ist, mein diesjähriges Weihnachtsbier gefunden.

Die Braumeister

Für dieses Milk-Stout haben sich folgende Kreativbier-Brauer zusammengetan.

Freigeist Bierkultur, Köln

Hinter Freigeist Bierkultur steckt der Kölsche Jung Sebastian Sauer. Nach einer Bierentdeckungsreise in das Nahe Belgien war es um ihn geschehen. Eigenes Brauen sollte seine Passion werden.

Emma – Biere ohne Bart, Freiburg

Emma steht für ausgezeichnete Biere aus Freiburg. Habe bereits das Zapotopaz verkostet und in meinen Tastings Biere von Emma präsentiert. Dort findet ihr mehr über Emma.

Braukollektiv, Freiburg

Freiburg ist für mich ein Craftbier-Hotspot in Deutschland. Das liegt nicht zu guter letzt an den Kreationen vom Braukollektiv wie etwa dem Brown Ale Horst. Mehr über das Braukollektiv lest ihr dort.

Das Bier

Bei dem Mexican Standoff handelt es sich um ein Milk-Stout mit einem Alkoholgehalt von 6,0 Vol. %. Eingebraut mit Haferflocken. Dazu etwas Lactose, Rauchmalz und als Besonderheit wurde das Gebräu mit Tonka-Bohnen und Zimtstangen vergoren. Auch Lillebräu aus Kiel hat bereits einmal ein Stout mit Tonka-Bohnen gebraut (siehe hier).

Dieses Stout wartet mit einer hellbraunen, leicht cremigen Schaumkrone auf. Der Schaum verflüchtigt sich nicht sehr schnell, bleibt gut am Inneren des Glases haften und gibt es nach einer Weile einige Aromen für die Nase frei. Diese sind etwas rauchig und vanillig.

Das leicht Rauchige kommt dann beim ersten Schluck wieder durch. Dabei fällt auf, dass das Stout unerwartet schlank ist. Es folgen Spuren von Kakao und ein wenig Zartbitterschokolade. Vanille ist nur ganz schwach zu schmecken. Die war beim Geruch intensiver. Im Abgang wird es würziger und zimtig. Im Gaumen ist es recht trocken.

Fazit

Die Experimentierfreudigkeit dieser drei Brauer und Brauerinnen hat sich gelohnt. Es ist ein durchaus spannendes Stout mit rauchigen und würzigen Noten herausgekommen. Das passt gut in die Winterzeit.

Mein Rückblick auf das Tasting No. 13 – Experten-Tasting

Mein 13. Craftbier-Tasting war ein besonderes Tasting: besondere Biere aus unterschiedlichen Ländern mit dem Schwerpunkt USA und fachliche Expertise von BREWCOMER mit am Verkostungstisch.

Die Höhen und Höhen dieser Verkostung stelle ich hier kurz vor:

1. Redbud Berliner Weiße; Independence Brewing Company – Austin/Texas, USA

Ich habe das Tasting mit dieser texanisches Interpretation einer Berliner Weiße begonnen. Ein leichter und säuerlicher Einstieg.

IBU: 20; 4,5 Vol.
Tasting-Bewertung: 3,625 von 5,0 Punkten.

2. Bridgman Camper, Lichtenhainer; Brekeriet Beer AB – Landskrona, Schweden

Es ging mit einem weiteren Sauerbier weiter. Von der südschwedischen Brauerei Brekeriet ein Lichtenhainer. Lichtenhainer ist als alter, regional verbreiteter Bierstil aus Deutschland. Die Jungs von Brekeriet aus Schweden haben sich auf das Brauen von Sauerbieren spezialisiert. Das Bridgman Camper besticht durch sein Zusammenspiel von Säure und rauchigen Noten. Wir waren uns einig, dass man dieses Lichtenhainer auch Ideal als Aperitif reichen kann.

IBU: NN; 4,4 Vol. %
Tasting-Bewertung: 3,6875 von 5,0 Punkten.

3. HefeWeizen, Weizen; Live Oak Brewing – Austin/Texas, USA

Ein solides Hefeweizen der Live Oak Brewing Company aus Texas mit Aromen von Banane und Nelken. Diese Brauerei stellt seit 1997 Biere her und hat sich auf europäische Bierstile fokussiert.

IBU: 12; 5,2 Vol. %
Tasting-Bewertung: 3,375 von 5,0 Punkten

4. Yakima Pilsner, Pils; Vocation Brewery – Hebden Bridge, England

Schon beim Öffnen der Dose kommen fruchtige Hopfenaromen durch. Im Ergebnis ein äußerst hopfenbetontes, fruchtiges Pils. Sehr samtig und smoothig. Nicht vergleichbar mit einem herben, norddeutschen Pils. Für mich die Überraschung des Abends.

IBU: NN; 5,5 Vol. %
Tasting-Bewertung: 4,0 von 5,0 Punkten

5. Hoppy Blonde, Blonde Ale; Austmann – Trondheim, Norwegen

Von den Pionieren des norwegischen Craftbieres, der Austmann Brauerei aus Trondheim, stammt dieses Blonde Ale. Ein leichtes Ale, das fruchtige Zitrus- und Orangennoten mit einer feinen Süße und geringer Bittere verbindet. 

IBU: 29; 4,5 Vol. %
Tasting-Bewertung: 3,5625 von 5,0 Punkten

6. Conditions, New England Pale Ale; Arrow Lodge Brewing – Covina/California, USA

Ein New England Pale als Kollab der Arrow Lodge Brewing mit Los Angeles Ale Works war als nächstes an der Reihe. Zunächst haben uns der Hinweis “with Bird Pick Pineapple Dreams tea” etwas verwirrt. Dieses einzigartige, hazy Pale Ale hat also irgendeinen Tee-Zusatz. Geschmacklich führt es zu einem intensiven Fruchtcoktail der schwer zu fassen war. Also irgendwie Multivitaminsaft. Bonuspunkte gibt es für die Gestaltung des Etiketts der Dose.

IBU: NN; 5,8 Vol. %
Tasting-Bewertung: 3,8125 von 5,0 Punkten

7. Juicy IPA, Session IPA; Klokk & Co. – Oslo, Norwegen

Der zweite norwegische Vertreter an diesem Abend stammt von der Klokk & Co. Brauerei aus Oslo. Im nachhinnein hätte dieses Session IPA besser vor das New England Pale Ale gepasst. Denn es ist mit seinen 25 IBU und 4,5 Vol. % deutlich leichter und geschmacklich weniger intensiv. Juicy ja, aber sehr zurückhaltend und hinten raus etwas dünn.

IBU: 25; 4,5 Vol. %
Tasting-Bewertung: 3,375 von 5,0 Punkten

8. Northern Trails No. 2, New England IPA; Mikkeller – Kopenhagen, Dänemark

Exklusiv für die SAS ist dieses hazy IPA mit den Hopfen Mosaic, Nelson Sauvin, Simcoe und Citra eingebraut. Es dominiert hier der Nelson Sauvin-Hopfen, der dem IPA Noten von Weintrauben verleiht. 

IBU: NN; 6,6 Vol. %
Tasting-Bewertung: 4,125 von 5,0 Punkten

9. BGB IPA, IPA; Big Grove Brewery – Iowa City/Iowa, USA

Auf ein NEIPA folgt natürlich ein Vertreter des Westcoast IPAs. Entschieden habe ich mich für das Big Grove Brewery IPA aus Iowa. Dieses IPA ist von der Klasse her dem Mikkeller NEIPA völlig ebenbürtig. Eingebraut ist dieses IPA mit den Hopfen Chinook und Simcoe. Die typische trockene Bittere ist nicht zu üppig und rundet den fruchtigen Part der an Grapefruit und Melone erinnert gut ab. 

IBU: NN; 7,0 Vol. %
Tasting-Bewertung: 4,125 von 5,0 Punkten 

10. La Maure Süre, Triple; La Maure – Bormes-les-Mimosas, Frankreich

Im vergangenen Sommerurlaub an der Côte d’Azur in Frankreich bin ich in einer kleinen Weinhandlung auf dieses Triple gestoßen. Die kleine Brauerei aus einem kleinen Örtchen in Südfrankreich zwischen Toulon und St. Tropez produziert seit Sommer 2017 Craft-Bier. Diese südfranzösische Version eines belgischen Triple hat alles was ein gutes Triple braucht: ein angenehme, malzige, leicht karamellige Süße, die den Alkoholgehalt von immerhin 8,0 Vol. % gut überspielen.

IBU: NN; 8,0 Vol. %
Tasting-Bewertung: 3,875 von 5,0 Punkten

11. Sweet Baby Jesus, Porter; DuClaw Brewing Company – Baltimore, USA

Ein Chocolat Peanut Butter Porter aus den USA gekauft in einem gut sortierten Bierladen in Straßburg. Es riecht und schmeckt recht intensiv nach Erdnussbutter. Das liegt nicht an der Hopfenzugabe sondern ein Geschmackaszusätzen. Kann man mögen, muss man aber nicht. Geschmacklich interessant, mir aber zu künstlich.

IBU: 33; 6,2 Vol. %
Tasting-Bewertung: 2,9375 von 5,0 Punkten

12. Siidisuka, Imperial Milk Stout; Purtse Pruulikoda – Purtse, Estland

Ein estnisches Imperial Milk Stout in einer optisch bemerkenswerten Flasche. Das ist das Siidisuka der kleinen Purtse Brauerei. Für die Flasche und das Design des Etiketts haben wir einen extra Punkt vergeben. Das Stout selber ist für ein Imperial Stout mit 6,3 Vol. % noch recht leichtgängig. Ein angenehm weiches Stout mit feinen Schokoaromen.

IBU: 27; 6,3 Vol. %
Tasting-Bewertung: 3,5625 von 5,0 Punkten

13. Mocha Machine, Imperial Porter; Beachwood Brewing – Long Beach/California, USA

Den Abschluss dieses Tasting macht ein Imeprial Porter der Beachwood Brewing Company. Die sehr gute Bewertung von 4,18 Punkten bei untappd haben mich neugierig gemacht. Um es vorwegzunehmen: ich habe selten ein so gutes Porter oder Stout getrunken. Und meinen Gästen ging es ebenso. Wer hier ein Porter erwartet, das nach kaltem Kaffee mit Alkohol schmeckt, sieht sich getäuscht. Dieses Porter überzeugt durch seine smoothige Textur und nicht zu aufdringliche Kaffee-Noten.
Der Tasting-Sieger am heutigen Abend!

IBU: 46; 9,2 Vol. %
Tasting-Bewertung: 4,375 von 5,0 Punkten

No. 28: Hopfnung, Landgang Brauerei – Hamburg

Es ist mal wieder an der Zeit, ein Bier aus der Biermetropole Hamburg zu verkosten. Heute im Verkostungsglas ein Pale Ale der Landgang Brauerei. Ich habe neulich auf einer Veranstaltung Lars Grosskurth, Gründer und einer der Köpfe von Landgang, kennengelernt. Wir haben dabei einige Flaschen Craftbier ausgetauscht. Er hat mir dabei das “Hopfnung” sehr ans Herz gelegt. Wollen wir also mal sehen, wie es sich so macht.

Die Brauerei

Mitten in Altona ist sie beheimatet, die Landgang Brauerei (ehemals Hopper). Und das mit einer eigenen, kleinen Brauerei. Eine Brauerei ohne Brewpub bzw. angeschlossener Bar macht wenig Sinn. Also gibt es in einem Schiffscontainer eine kleine Bar dazu. Im Angebot: 10 Craftbiere am Hahn, weitere aus der Flasche und den leckeren Landgang Hotdog.

Wer in den Getränkeregalen von Supermärkten auf Craftbier achtet, wird schnell feststellen, dass Biere von Landgang mittlerweile recht häufig zu finden sind. Unter den Craftbier-Brauereien gehört Landgang in Hamburg bzw. Norddeutschland zu den Großen. Auch wenn man mittlerweile größere Mengen braut, geht die Kreativität und das Kreieren neuer Sude nicht verloren. So finden sich im Sortiment neben ganzjährigen “Klassikern” wie etwa dem Pils oder einem IPA auch immer saisonale Biere und ausgefallene Bierstile wie etwa “Tutti Frutti”, ein frisches Sauerbier. Das “Helle Aufregung“, ein tschechisch inspiriertes Lager, hatte ich mal bei einem Tasting vorgestellt. Es ist ein ideales Bier für Craftbier-Einsteiger.

Das Bier

Das “Hopfnung” ist ein Pale Ale, genau genommen ein American Pale Ale. Was ist das Besondere an einem American Pale Ale? Ein American Pale Ale ist in gewisser Weise die Interpretation amerikanischer Brauer eines englischen Pale Ale. Verwendet werden amerikanische Aromahopfen. Das American Pale Ale ist im Vergleich zu dem klassischen, englischen Pale Ale hopfenaromatischer. Ein Klassiker und typischer Vertreter unter den American Pale Ales ist das Pale Ale von Sierra Nevada.

Wodurch zeichnet sich das American Pale Ale von der Landgang Brauerei aus? Der Teaser auf der Internetseite liest sich wie folgt:

“Hopfnung ist ein kompromissloses American Pale Ale. Es richtet sich an Liebhaber hopfenhaltiger Biere. Der Malzkörper ist schlank gehalten, so dass die Hopfennoten klar im Geschmack und Geruch dominieren. Ein Bier das frisch abgefüllt am Besten schmeckt. Daher hat es nur ein begrenztes Haltbarkeitsdatum.”

Leider sind bei der Beschreibung auf der Internetseite die verwendeten Hopfen nicht angegeben. Braumeister Sascha hat mir dieses Geheimnis gelüftet: Der diesjährige Sud wurde mit den Hopfensorten Citra, Ekuanot, Palisade und Willamette gebraut. Im Bier also vier amerikanische Aromahopfen, die dem Pale Ale unterschiedliche Aromen von Zitrusfrüchten und tropischen Früchten aber auch Beerenflavour und kräuterige Noten verleihen.

Ich bin gespannt, was ich da nun so rausschmecke. Das goldgelbe und leicht trüber Bier mit seiner hellen, beständigen Schaumkrone macht im Glas schon mal eine richtig gute Figur. Sobald sich der Schaum etwas verflüchtigt, nehme ich mal eine Prise Geruch auf. Tja, vom Geruch her würde ich sagen etwas Mango.

Kommt dann beim ersten Schluck ein Cocktail tropischer Früchte? Im Antrunk geben zunächst zitrusfruchtige und kräuterige Noten den Ton an, wenn auch nicht zu sehr dominant. Im Übergang umspült dann der weiche Körper die Zunge und den Gaumen. Da sind in jedem Falle eine Menge süßliche und fruchtige Noten enthalten. Welche genau, ist echt schwierig herauszuschmecken. Dieses Geschmacksprofil ist fast zu schade zum herunterschlucken, wäre da nicht noch der nächste Schluck… Die Bittere kommt dann im Abgang durch: eine angenehme Bittere, die recht lange anhält aber nicht zu trocken ist.

Fazit

Das “Hopfnung” ist eine äußerst gelungene Interpretation eines American Pale Ale. Die Hopfenaromen und die Bitternoten sind gut ausbalanciert. Wem ein IPA too much ist, findet mit diesem hopfenaromatischen Pale Ale eine sehr gute Alternative.


Die Eckdaten:

Bierstil: American Pale Ale
Hopfen: Citra, Ekuanot, Palisade und Willamette
Bittereinheiten: 45 IBU
Alkoholgehalt: 6,2 % Vol

No. 27: La Blonde, Brasserie de la Tête de chou – Mancy, Frankreich

Wie schön, dass mir meine Tasting-Gäste mitunter äußerst spannende Biere mitbringen. Eines davon ist das “La Blonde” der französischen Craftbier-Schmiede La Tête de chou aus Mancy in der Champagne. Von dieser Brauerei habe ich noch nie gehört, geschweige denn, dass ich mal in der Champagne gewesen bin. Aber schauen wir mal, wie so ein Bier aus der Champagne ist.

Die Brauerei

Mitten in der Champagne umgeben von Weinbergen gibt es seit fast auf den Tag genau zwei Jahren diese kleine Brauerei, die qualitativ hochwertige und handwerklich hergestellte Biere produziert. Dabei setzt man auf lokale und regionale Zutaten. Mitunter die wichtigste Zutat: frisches, kalkhaltiges Quellwasser aus der Umgebung. Die Köpfe hinter der “Kohlkopf-Brauerei” sind der Brauer Benoit und die Geschäftsführerin Ariane. Sie haben mit ihrem Sortiment aus acht verschiedenen Bieren den Geschmacksnerv der biertrinkenden Franzosen in der Region getroffen. Zu dem Sortiment gehören u.a. ein Witbier, ein Brown Ale, ein Amber Ale und ein American Triple. In den ersten vier Monaten in 2018 hat man den Ausstoß gegenüber dem Vorjahr um 50% steigern können. Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden ist die Erweiterung der Brauanlage geplant. Aktuell läuft dafür eine crowd-funding-Kampagne. Also, ein Craftbeer-Hotspot mitten in der Champagne. 

Das Bier

Auf dem Tisch steht eine Flasche “La Blonde”. Mit dem Design des Etiketts ist die Flasche schon mal ein echter Hingucker. Das Etikett gibt zudem einige nützliche Informationen preis: Alkoholgehalt 5,7 Vol. %, 25 IBU, Hopfensorten: Cascade, Perle und Strisselspalt.

Vor dem Öffnen will ich noch mal kurz den Bierstil einordnen. Ein “Blonde” ist nicht etwa vergleichbar mit einem “Hellen”. Es ist ein Blonde Ale, also ein obergäriges, süffiges, hopfenaromatisches und mildes Ale. Ein klassischer Vertreter ist das belgische Blonde Ale.

Das “La Blonde” sieht ganz prächtig aus im Glas. Eine goldgelbe Farbe mit einer leichten Trübung. Dazu eine helle, mäßig ausgeprägte Schaumkrone, die sich schnell verflüchtigt und dann erste fruchtige Aromen und etwas kräuterige Düfte freigibt. Im Antrunk zeigt sich das feinperlige Blonde zunächst von einer leicht säuerlichen Seite. Unter diese zitrus-hopfigen Noten mischen sich ausgeprägte blumige und würzige Noten. Hier zeigen die beiden Aromahopfen Cascade und Strisselspalt ganze Wirkung. Der Strisselspalt ist ein Aromahopfen aus dem Elsaß mit subtilen Gewürznoten, Kräuter- und Blumenaromen sowie dezenten zitrusfruchtigen Nuancen.

Aber was wäre ein Blonde Ale ohne seinen charakteristischen Malzkörper. Der fruchtige und etwas trockene Antrunk wird von einem komplexen und recht kräftigen Malzkörper abgelöst. Dieser macht das Bier im Übergang süßlich und zugleich süffig. Abgerundet wird das Blonde im Abgang von dezenten Bitternoten. Das Blonde hat einen feinen hopfenaromatischen Charakter. Für mich sind die blumigen und würzigen Noten prägend.

Fazit

Ein sehr ausgewogenes Ale, gut ausbalanciert und ein klasse Zusammenspiel der drei Hopfen. Ich würde der Brauerei gerne mal einen Besuch abstatten und auch die anderen Biere testen. Da braut sich was zusammen in der Champagne!

Und Dank an Rainer Kibbel für die beiden Biere: das “La Blonde” und das “La Blanche” – ein frisch-fruchtiges Witbier.


Die Eckdaten:

Bierstil: Blonde Ale
Hopfen: Cascade, Perle und Strisselspalt
Bittereinheiten: 25 IBU
Alkoholgehalt: 5,7 % Vol

No. 25: Mets, Pöhjala – Tallinn, Estland

Es ist mal wieder an der Zeit für einen verkostungsmäßigen Ausflug nach Estland, genau genommen nach Tallinn zur Pöhjala Brewery. Ich bin bislang recht angetan von estnischen Bieren und habe hier schon Pale Ales von Pöide und von Muddis verkostet. Nun mal ein IPA, Mets – ein Black IPA.

Die Brauerei

Vorab ab einige kurze Infos zur Brauerei. Die Pöhjala Brewery zählt für mich zu den Top-Craftbier-Brauereien Estlands. Die spannenden und teilweise auch durchaus ungewohnten Kreationen sind mir schon in vielen Shops und Bars begegnet. Die Brauerei wurde Ende 2011 von vier Heimbrauern in Tallinn gegründet. Etwas später kam noch ein schottischer Brauer dazu, der bereits mehrere Jahre BrewDog-Erfahrung aufweisen konnte. 2013 kam mit einem Baltic Porter dann das erste Bier auf den Markt. Zunächst war man als Gypsy-Brewer unterwegs und mietete sich in Brauereien ein, bevor dann 2014 mit dem Bau der eigenen Brauerei begonnen wurde. In der Nähe der Brauerei findet sich zudem eine Bar, in der die Biere direkt serviert werden. Die Jungs von Pöhjala tun sich zudem gerne mit befreundeten Brauern zusammen und entwickeln sog. Kollaborations-Sude. Ein Merkmal der Pöhjala-Biere: ein Fokus auf dunklen Bieren und Zutaten, die in den estnischen Wäldern zu finden sind.

Das Bier – “Mets”, A forest-inspired black IPA brewed with hand picked spruce tips und forest blueberries

Die Tage werden kürzer und der Herbst steht vor der Tür. Wettertechnisch kann man sich da durchaus schon mal ein dunkles Bier gönnen. In meinem Bierkeller habe ich dann noch eine Flasche eines Bieres von Pöhjala mit dem Namens “Mets” entdeckt. Das “Mets” hatte ich bei meinem Tasting No. 12 aufgetischt. Tja, seinerzeit wurde die zweite Flasche gar nicht geöffnet. Nun freue ich mich umso mehr, dieses Black IPA mal ein wenig intensiver zu verkosten.

Zunächst ein Blick auf das Etikett, um herauszufinden, was mich erwartet: “A forest-inspired black IPA brewed with hand picked spruce tips and forest blueberries.” Also mal frei übersetzt: ein vom Wald inspiriertes, dunkles IPA mit handverlesenen Fichtenspitzen und Waldheidelbeeren. Ok, das sind sie also die Zutaten aus den estnischen Wäldern. Blaubeeren, ja, das kann ich mir vorstellen, aber Fichtenspitzen?? Dazu dann noch ein Hopfencoktail aus den Sorten Magnum, Amarillo, Columbus, Mosaic und Yellow Sub sowie eine ganze Palette verschiedener Malze, die dem Bier nicht nur die dunkle Farbe sondern auch noch einige Geschmacksnuancen verleihen, aber dazu später mehr. Also, ein spannende Zutatenliste.

Im Glas dann ein dunkelbraunes, fast schwarzes, mäßig karbonisiertes Bier mit einer dunkelbraunen, festen und beständigen Schaumkrone. Die Konsistenz ist leicht cremig. Und wonach riecht dieses Black Ale? Da mischen so unterschiedliche Aromen in der Nase: es hat etwas beeriges, leicht säuerlich-harziges, dazu Kaffee- und Zartbitterschokolade. Vielleicht doch auch irgendwie Wald.

Im Antrunk zunächst eine dezente, zitrusfruchtige Note, die jedoch schnell von den süßlicheren Eindrücken der Blaubeeren abgelöst wird. Ergänzt wird das ganze dann durch wie ich finde etwas harzige Noten. Das mögen die Fichtennadeln sein. Das lässt sich nicht ganz so genau erahnen. Nach den Beeren auf einem süßlichen, karamelligen Malzkörper kommt dann der bittere und röstige Abgang: geschmacklich erinnert mich es an Zartbitterschokolade und Kaffee. Hier zeigen die insgesamt acht verschiedenen Malze ihre ganze Wirkung. Langanhaltend, aber nach den im Antrunk leicht säuerlichen und dann beerigen Fruchtnoten ein nachtischartiger und gelungener Abgang.

Fazit

Das ist mal ein breiter Geschmacksbogen, den die Jungs von Pöhjala in diese Flasche Mets gezaubert haben. Vielseitig und ausgewogen. Es macht Lust auf mehr Biere aus estnischen Wäldern!


Die Eckdaten:

Bierstil: Black IPA
Hopfen: Magnum, Amarillo, Columbus, Mosaic und Yellow Sub
Bittereinheiten: 40 IBU
Alkoholgehalt: 7,0 % Vol


Die Höker:

Gefunden und geshoppt bei

Ein Rückblick auf mein Tasting No. 12

Das Alternativprogramm zu dem diesjährigen DFB-Pokalfinale: mein Craftbier-Tasting No. 12. Meinen Gästen habe ich mit dieser Elf einiges zugemutet. Das war teilweise schon etwas für fortgeschrittene Craftbier-Trinker. Aber lest selbst meine kurzen Verkostungsberichte.

1. Elbe, Gose; Kehrwieder Kreativbrauerei, Hamburg

Hatte ich die Choreo meiner Tastings bislang im Regelfall mit einem Lager oder Hellem begonnen, habe ich dieses Mal mit einer Gose meinen Gästen einen alten, etwas in Vergessenheit geratenen Bierstil präsentiert: die Elbe Gose der Kehrwieder Kreativbrauerei aus Hamburg. Ein frisches, leicht säuerlich-salziges Bier mit Koriandernoten. Ein perfektes Sommerbier. Und, bei meinen Gästen kam die Gose – für mich etwas überraschend – gut an. Platz 2.

IBU: 11; 4,3 Vol. %

2. Bruno, Saison Brune; Schneeule, Berlin

Die Schneeule Brauerei aus Berlin hat sich auf Berliner Weiße spezialisiert. Ich habe mir das Bruno ausgesucht. Quasi eine dunkelbraune Berliner Weiße mit Schoko- und Karamalz. Ergebnis: ein sehr säuerliches Bier mit leichtem Schokogeschmack. Das war für alle etwas zu sauer.

IBU: 15; 5,0 Vol. %

3. Imperial Hopped Helles, Lager; Berliner Berg, Berlin

Und der nächste Vertreter aus Berlin. Die Jungs vom Brewcomer haben mir dieses Frischhopfen Imperial Lager empfohlen. Der Mandarina Bavaria als Frischhopfen verleiht diesem Bier bei einem hohen Alkoholgehalt eine kräftige und fruchtige Hopfennote. Sehr zu empfehlen.

IBU: k.A.; 6,9 Vol. %

4. Fraibock, Maibock; Czernys Küstenbrauerei, Kiel

Ein lokales Bier pro Tasting muss dabei sein. Heute dabei: aus der Experimental Sud-Reihe der Czernys Küstenbrauerei das Fraibock. Ein Maibock mit der Zugabe von Ingwer und Orangenschalen. Hört sich schräg an? Stimmt, schmeckt aber verdammt gut. Ein kräftiges, süßliches und harmonisches Bockbier, das durch den Ingwer eine ganze leichte Schärfe und im Abgang dezente Orangennoten mitbringt. Glückwunsch zum Testsieger des Tastings No. 12!

IBU: k.A.; 7,5 Vol. %

5. Tingsmenn Til Tusen, American Pale Ale; Ego Brygghus/Gulating Handverksbrygg, Norwegen

Ein American Pale Ale aus der Dose als Kollaborationsbräu der beiden Mikrobrauereien Ego Brygghus und Gulating Handverksbrygg. Im Ergebnis ein solides Pale Ale ohne Ecken und Kanten. Bonuspunkte gibt es für die Gestaltung der Dose.

IBU: k.A.; 4,7 Vol. %

6. Kuckucksrot, Amber Ale; Emma – Biere ohne Bart, Freiburg

Die Kreationen von Almut, der Brauerin hinter Emma – Biere ohne Bart, wurden bereits mehrfach prämiert und haben mich bislang überzeugt. Wie etwa das Zapotopaz, ein Strong Ale, oder auch das Salto Orale, das ich bei meinem Tasting No. 11 vorgestellt habe. Das Kuckucksrot, ein leichtes, süffiges und fruchtiges Amber Ale, hatte bei meinen Gästen Höhen und Tiefen. Für meinen Bruder das beste Bier des Abends. Da weiß ich ja, was ich ihm mal mitbringen kann… Ich habe da noch eine Flasche Kuckucksrot der Sonderedition 2017 im Keller.

IBU: k.A.; 5,5 Vol. %

7. Dolly, India Pale Ale (IPA); Braukollektiv, Freiburg

Ein weiteres Highlight aus Freiburg: Dolly, das prämierte IPA vom Braukollektiv. in diesem Jahr wurde es beim Meininger’s International Craft Beer Award zum besten IPA ausgezeichnet. Und Dolly hat es in sich: eine Kombination aus amerikanischen und deutschen Aroma- und Bitterhopfen verleihen dem IPA eine zitrusfruchtige Noten mit einem angenehm würzigen und bitteren Abgang. In meiner Tasting-Runde unter den Top 3.

IBU: 52; 6,9 Vol. %

8. Mr. Pink 2018, India Pale Ale (IPA); To Øl, Kopenhagen (DK)

Nachdem ich bei der europaweiten Vorstellung dieser To Øl-Serie im März 2018 sehr angetan war, dachte ich mir, ich könne meine Gäste mit diesem IPA mit Roter Beete dieser angesagten Craftbier-Brauerei aus Kopemnhagen ein Schmankerl präsentieren, das ebenfalls Begeisterungsstürme hervorruft. Das war dann aber leider eher nicht der Fall. Ein IPA für fortgeschrittene Craftbier-Trinker. Hopfig, mäßig bitter rote Farbe und ein wenig Geschmack roter Beete.

IBU: 54; 6,0 Vol. %

9. Mabuse Bräu Frau Hoops, Imperial New England India Pale Ale (NEIPA), Grebhans, Bremen

Mein erstes New England India Pale Ale, das ich bei einem Tasting vorgestellt habe. Dazu dann noch ein doppeltes oder auch Imperial, also mit einem höheren Alkoholgehalt. Kräftig, bitter, hopfenfruchtig (Maracuja, Grapefruit o.ä.), dazu recht vollmundig. Die 8,5 Vol. % schmeckt man nicht raus. Das hat was. Ich bin sehr angetan. Mein Highlight neben dem Fraibock am heutigen Abend.

IBU: k.A.; 8,5 Vol. %

10. Mets, Black IPA; Pöhjala, Tallinn (EST)

Pöhjala aus Tallinn machen ausgezeichnete Biere. Mich hat die Beschreibung neugierig gemacht: “A forest-inspired black IPA brewed with hand picked spruce tips and forest blueberries.” Und geschmacklich war es dann ein Ritt durch zitrusfruchtige Hopfenaromen kombiniert mit beerigen Aromen eingerahmt in einen kräftigen Malzkörper der dem Mets Kaffee- und Karamelnoten verleiht. Wow!. Das war allerdings nicht für jeden etwas.

IBU: 40; 7,0 Vol. %

11. Baja, Oatmeal Stout; Brauhaus Bevog, Bad Radkersburg (AUT)

ZUm Abschluss gab es das Baja, ein Oatmeal Stout vom Brauhaus Bevog aus Österreich. Das Etikett der Flasche erinnert mich sehr an den Grüffelo. Geschmacklich wartet das Baja mit Kaffee- und Schokonoten auf und ist dabei recht cremig, aber nicht zu schwer. Dunkle Biere gehen allerdings nicht immer. Unterm Strich ein leckeres und ausgewogenes Stout.

IBU: 29; 5,8 Vol. %